Krankheiten & Symptome verstehen
Finde Wissen nicht nur nach Diagnosen, sondern nach den Fragen, die Pferdebesitzer wirklich stellen.
Symptome sind Hinweise. Wissen schafft Orientierung.
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
Einstieg über Besitzerfragen
Mein Pferd hat ein Problem — wähle aus, was du beobachtest.
Mein Pferd hat ein Hautproblem
Haut & Fell, Allergien, Darm, Stoffwechsel, Pflege, Sommerekzem
Mein Pferd hat Verdauungsprobleme
Darm, Mikrobiom, Kotwasser, Kolik, Magengeschwüre, Parasiten
Mein Pferd hat Stoffwechselprobleme
EMS, PPID, Hufrehe, Leber, Niere, Übergewicht, Fellwechsel
Mein Pferd lahmt oder bewegt sich schlecht
Hufe, Gelenke, Sehnen, Muskeln, Rücken, Arthrose
Mein Pferd hustet
Atemwege, Haltung, Staub, Heuqualität, Allergien, Immunsystem
Mein Pferd hat Allergien oder Immunthemen
Immunsystem, Haut, Atemwege, Allergene, Entzündung
Mein Pferd zeigt neurologische Auffälligkeiten
Neurologie, Ataxie, Headshaking, Koordination, Differentialdiagnosen
Mein Pferd ist alt geworden
Senior Horse Health™, Zähne, Stoffwechsel, Beweglichkeit, Zellversorgung
Mein Pferd bringt keine Leistung
Sport, Muskeln, Magen, Atemwege, Elektrolyte, Regeneration
Mein Pferd hat eine diagnostizierte Erkrankung
A–Z Datenbank, Tierarztwissen, Studien, Management, Wirkstoffe
Systematische Datenbank
15 Kategorien von Haut & Fell bis Leistung & Sport.
Haut & Fell
20Juckreiz, Scheuern, kahle Stellen, schuppige oder entzündete Haut — Hautthemen sind selten nur Haut.
Verdauung & Darm
17Kotwasser, Durchfall, wiederkehrende Koliken, empfindliche Verdauung — der Darm ist ein zentrales System.
Stoffwechsel & Hormonsystem
15Übergewicht, Hufrehe-Neigung, Cushing, belasteter Stoffwechsel — endokrine Themen wirken auf den ganzen Organismus.
Hufe & Bewegungsapparat
20Lahmheit, schlechte Hufe, steifer Gang, Rückenprobleme — Bewegung ist das Zusammenspiel vieler Faktoren.
Atemwege
15Husten, schlechte Luft, Staubempfindlichkeit — Atemwegsthemen hängen eng mit Haltung und Immunsystem zusammen.
Leber, Niere & Entgiftung
13Erhöhte Leberwerte, Stoffwechselbelastung, Entgiftungskapazität — selten isoliert zu betrachten.
Immunsystem & Allergien
11Allergische Reaktionen, wiederkehrende Infekte, ständige Empfindlichkeit — das Immunsystem ist eng vernetzt.
Neurologie
13Ataxie, Stolpern, Koordinationsprobleme, Headshaking — neurologische Auffälligkeiten brauchen klare Abklärung.
Herz & Kreislauf
10Schnelle Erschöpfung, Herzgeräusche, Kreislaufschwäche, nachlassende Leistung.
Fortpflanzung & Zucht
13Fruchtbarkeit, Rosse, tragende Stuten, Zuchtmanagement.
Infektionskrankheiten
22Ansteckende Erkrankungen, Isolation, Impfungen, Meldepflicht — hier zählt klare Struktur.
Augen
11Tränende, zugekniffene oder geschwollene Augen — viele Augenprobleme sind Notfälle.
Zahn- & Maulgesundheit
13Schlechtes Fressen, Futter fallen lassen, Gewichtsverlust, Maulgeruch.
Senior Horse Health™
15Ältere Pferde betreffen mehrere Systeme gleichzeitig: Zähne, Darm, Stoffwechsel, Bewegung, Immunsystem, Zellversorgung.
Leistung & Sport
16Keine Leistung, schlechte Regeneration, schnelle Müdigkeit, kein Muskelaufbau — Leistung ist mehr als Training.
Alle Krankheiten (A–Z)
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111 Ergebnisse
Akute Augenverletzung / Fremdkörper (Trauma)
Stumpfe oder spitze Verletzungen sowie Fremdkörper am Auge sind schmerzhaft und können das Sehvermögen akut bedrohen. Schon scheinbar kleine Verletzungen können tiefer reichen als sichtbar und Folgeschäden (z. B. Hornhautgeschwür, innere Augenentzündung) nach sich ziehen.
Akuter Husten / akute Bronchitis (viral oder bakteriell)
Akuter Husten ist ein Symptom plötzlich auftretender Atemwegsreizung, häufig im Rahmen einer viralen oder bakteriellen Infektion der oberen und unteren Atemwege. Er kann harmlos und kurz sein, bei Fieber, Atemnot oder gestörtem Allgemeinbefinden aber auf eine ernstere Infektion hindeuten und ist im Stall oft ansteckend.
Anaphylaktische Reaktion (allergischer Schock)
Die Anaphylaxie ist eine akute, generalisierte allergische Überreaktion des Immunsystems (meist IgE-vermittelt) mit massiver Histaminausschüttung. Sie kann innerhalb von Minuten Kreislauf und Atmung bedrohen und ist ein lebensbedrohlicher Notfall. Typische Auslöser sind Injektionen (Medikamente, Impfstoffe, Seren), Insektenstiche oder seltener Futterbestandteile.
Anhidrose (Schweißlosigkeit / gestörte Thermoregulation)
Teilweiser oder vollständiger Verlust der Schweißfähigkeit, wodurch die wichtigste Kühlmöglichkeit des Pferdes wegfällt. Tritt vor allem in warm-feuchten Klimata auf und erhöht das Risiko für Überhitzung unter Belastung.
Aortenruptur (Aortic Rupture)
Bei einer Aortenruptur reißt die Wand der großen Körperschlagader (Aorta) oder einer herznahen Gefäßstruktur ein, was zu einer massiven inneren Blutung führt. Sie tritt vor allem bei älteren Zuchthengsten und häufig im Zusammenhang mit Belastung oder dem Deckakt auf und endet oft als plötzlicher Tod — ein akuter Notfall ohne verlässliche Rettungsmöglichkeit.
Arthrose (Osteoarthrose)
Degenerativer, fortschreitender Verschleiß des Gelenkknorpels mit Entzündungs- und Schmerzkomponente. Häufig bei älteren oder stark beanspruchten Pferden.
Backenzahn-Fraktur / apikale Zahninfektion
Ein Backenzahn kann brechen (Fraktur) oder sich an der Wurzelspitze infizieren (apikale Infektion). Bei den hinteren Oberkiefer-Backenzähnen reichen die Wurzeln bis in die Kieferhöhle, sodass eine Wurzelinfektion eine sekundäre (dentale) Sinusitis auslösen kann. Die Befunde sind schmerzhaft und brauchen eine zügige tierärztliche Abklärung.
Belastungsinduziertes Lungenbluten (EIPH, Exercise-Induced Pulmonary Hemorrhage)
Bei EIPH treten unter hoher Belastung Blutungen aus kleinen Lungengefäßen in die Atemwege auf, ausgelöst durch sehr hohe Drücke in den Lungenkapillaren bei intensiver Arbeit. Es betrifft vor allem Renn- und Hochleistungspferde und bleibt häufig unbemerkt, da nur ein Teil der Pferde sichtbares Nasenbluten zeigt.
Belastungsrhabdomyolyse (Tying-up / Kreuzverschlag, RER)
Akuter belastungsbedingter Muskelfaserzerfall mit schmerzhafter Steifheit, meist kurz nach Trainingsbeginn. Freigesetztes Myoglobin kann den Harn dunkel färben und die Nieren belasten. Die rezidivierende Form (RER) ist eine Erregbarkeitsstörung der Muskelkontraktion und ist von der erblichen Glykogenspeicherstörung PSSM abzugrenzen.
Bindehautentzündung (Konjunktivitis)
Entzündung der Bindehaut, des feuchten Gewebes rund um Auge und Lidinnenseite. Sie ist häufig, sollte aber nicht vorschnell als harmlos gelten: Eine tierärztliche Abklärung ist wichtig, um ernstere Ursachen (z. B. Hornhautgeschwür, Uveitis, Fremdkörper, Tränenkanalproblem) sicher abzugrenzen.
Blasenentzündung (Zystitis, untere Harnwege)
Entzündung der Harnblasenschleimhaut, beim Pferd meist sekundär — etwa als Folge von Harnsteinen, einer Harnabsatzstörung, Lähmung der Blase oder nach Geburt/Katheterisierung. Eine primäre, allein bakterielle Blasenentzündung ist beim Pferd vergleichsweise selten.
Borreliose (Lyme-Borreliose, zeckenübertragen)
Die equine Lyme-Borreliose wird durch Bakterien des Borrelia-burgdorferi-Komplexes über Zecken übertragen. Viele Pferde tragen Antikörper, ohne je zu erkranken — die Zuordnung von Symptomen zu einer aktiven Borreliose ist diagnostisch anspruchsvoll und fachlich umstritten. Das Krankheitsbild gilt als unspezifisch und wird neutral und vorsichtig eingeordnet.
Cerebelläre Abiotrophie (CA, TOE1/MUTYH)
Erbliche Erkrankung des Kleinhirns (Cerebellum) beim Araber, bei der spezialisierte Nervenzellen vorzeitig zugrunde gehen. CA wird autosomal-rezessiv vererbt (Marker im TOE1-Gen, Regulationswirkung auf das benachbarte MUTYH); betroffen sind nur homozygote Tiere. Typisch sind Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, die meist im Fohlenalter auffallen und bestehen bleiben.
Cholangiohepatitis / Gallengangsentzündung (ggf. mit Gallensteinen)
Entzündung der Gallengänge und des angrenzenden Lebergewebes, häufig durch eine aufsteigende bakterielle Infektion aus dem Darm. Mitunter sind Gallensteine (Cholelithiasis) beteiligt, die den Gallenfluss behindern und Schübe auslösen können.
CPL (Chronisch progressive Lymphödematose)
Chronisch fortschreitende Störung des Lymphabflusses in den Unterschenkeln behangreicher Rassen (u. a. Shire, Clydesdale, Belgisches Kaltblut, Tinker). Es kommt zu zunehmender Schwellung, Hautfalten und Knotenbildung unter dem dichten Behang; eine erbliche Veranlagung für eine gestörte Elastin-/Bindegewebsregulation wird angenommen. CPL ist nicht heilbar, lässt sich aber durch konsequentes Management verlangsamen.
Diastema & Parodontitis (Futtertaschen, Zahnfleischtaschen)
Als Diastema bezeichnet man einen abnormen Spalt zwischen zwei benachbarten Backenzähnen. In solchen Lücken kann sich Futter festsetzen (Futtertaschen), was Zahnfleisch und Zahnhalteapparat entzündet (Parodontitis). Dies gilt als eine der schmerzhaftesten Maulerkrankungen des Pferdes.
Dorsalverlagerung des Gaumensegels (DDSP, Dorsal Displacement of the Soft Palate)
Bei DDSP verlagert sich der hintere Rand des weichen Gaumensegels über den Kehldeckel und verlegt die Atemwege vorübergehend, vor allem bei schneller Arbeit. Typisch ist ein gurgelndes Atemgeräusch beim Ausatmen mit plötzlichem Leistungseinbruch; viele Pferde starten normal und brechen erst im hohen Tempo ein.
Druse (Strangles, Streptococcus equi subsp. equi)
Druse ist eine hochansteckende bakterielle Infektion der oberen Atemwege und Lymphknoten durch Streptococcus equi subsp. equi. Typisch sind Fieber, eitriger Nasenausfluss und schmerzhaft geschwollene, oft abszedierende Kehlgangslymphknoten. Die meisten Pferde genesen, einzelne werden jedoch zu unauffälligen Dauerausscheidern, die den Erreger weitertragen.
DSLD / ESPA (Degenerative Suspensory Ligament Desmitis)
Chronisch-fortschreitende Bindegewebsstörung, bei der sich krankhaft Proteoglykane in Sehnen, Bändern und weiteren Geweben einlagern (daher auch Equine Systemic Proteoglycan Accumulation, ESPA). Anders als ein einzelner Sehnenschaden ist DSLD systemisch und betrifft typischerweise den Fesselträger mehrerer Gliedmaßen. Die Erkrankung tritt familiär gehäuft auf (u. a. Peruvian Paso), der genaue Erbgang ist jedoch nicht abschließend geklärt; DSLD ist nicht heilbar.
Durchfall (Diarrhoe)
Durchfall ist ein Symptom, kein eigenständiges Krankheitsbild, und reicht von harmlos-vorübergehend bis lebensbedrohlich. Akuter, wässriger Durchfall mit Fieber oder Apathie kann auf eine ernste Infektion hindeuten und zu gefährlichem Flüssigkeitsverlust führen.
Dysbiose / gestörtes Mikrobiom
Dysbiose beschreibt ein aus dem Gleichgewicht geratenes Darmmikrobiom, etwa nach stärkereicher Fütterung, Antibiotika oder abrupten Rationswechseln. Ein stabiles Mikrobiom gilt als wichtig für Faserverdauung, Nährstoffversorgung und Immunlage; die Forschung dazu ist noch jung.
Dystokie (Schwergeburt / Geburtskomplikation)
Gestörter oder erschwerter Geburtsverlauf, bei dem Fohlen und/oder Stute ohne Hilfe gefährdet sind — meist durch Fehllage, Fehlstellung oder Fehlhaltung des Fohlens. Bei der Stute ist die Austreibungsphase außergewöhnlich kurz und kräftig, weshalb jede Verzögerung das Leben von Stute und Fohlen rasch bedroht.
Elektrolytverlust & Thumps (synchrones Zwerchfellflattern, SDF)
Bei langer/intensiver Belastung — vor allem im Distanz- und Ausdauersport — gehen über den Schweiß große Mengen Elektrolyte (u. a. Natrium, Chlorid, Kalium, Calcium) verloren. Sichtbares Zeichen einer schweren Verschiebung sind Thumps: ein synchron zum Herzschlag flatterndes Zwerchfell (synchrones Zwerchfellflattern, SDF).
Endokarditis (Herzinnenhaut-/Klappenentzündung)
Bei der Endokarditis besiedeln meist Bakterien die Herzinnenhaut und vor allem die Herzklappen und bilden dort entzündliche Auflagerungen, sogenannte Vegetationen. Diese schädigen die Klappen, erzeugen ein Herzgeräusch und können kleine infektiöse Bröckel in den Kreislauf abschwemmen; die Erkrankung ist ernst und verläuft oft mit anhaltendem oder wiederkehrendem Fieber.
Endometritis (Gebärmutterentzündung der Stute)
Entzündung der Gebärmutterschleimhaut (Endometrium), häufig durch Keimaufstieg nach Belegung, Geburt oder bei gestörter Selbstreinigung des Uterus. Eine der häufigsten Ursachen für Subfertilität (ausbleibende Trächtigkeit) der Stute.
EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis)
EOTRH ist eine schmerzhafte, fortschreitende Erkrankung vor allem der Schneide- und Eckzähne älterer Pferde. Dabei wird Zahnsubstanz durch Odontoklasten abgebaut (Resorption), während der Körper teils mit überschießender Zementbildung (Hyperzementose) reagiert, was die Zahnwurzeln knollig auftreibt. Die Ursache ist noch nicht vollständig geklärt.
Equine Protozoäre Myeloenzephalitis (EPM)
Die EPM ist eine durch Protozoen (meist Sarcocystis neurona, seltener Neospora hughesi) ausgelöste Entzündung von Gehirn und Rückenmark, die sehr unterschiedliche neurologische Ausfälle verursachen kann. GEOGRAFISCHER HINWEIS: EPM ist vor allem in Nord-, Mittel- und Südamerika verbreitet, weil ihr Endwirt — das Opossum — dort heimisch ist; in Europa und im DACH-Raum tritt sie praktisch nur bei importierten Pferden oder Reiserückkehrern auf, die sich zuvor in Amerika aufgehalten haben. Pferde infizieren sich über Futter oder Wasser, das mit Opossum-Kot verunreinigt ist, nicht von Pferd zu Pferd.
Equine Rezidivierende Uveitis (ERU / Mondblindheit / Periodische Augenentzündung)
Schubweise wiederkehrende, immunvermittelte Entzündung der inneren Augenhaut (Uvea) und häufigste Erblindungsursache beim Pferd. Diskutiert werden u. a. eine Beteiligung von Leptospiren-Antigenen sowie eine genetische Veranlagung (z. B. Appaloosa, Warmblüter); jeder akute Schub kann das Auge weiter schädigen.
Equines (Schimmel-)Melanom (Equine Melanoma)
Das equine Melanom ist ein Tumor der pigmentbildenden Zellen, der ganz überwiegend ältere Schimmel (graue Pferde) betrifft — bei alten Schimmeln sehr häufig. Typische Stellen sind die Schweifrübe/Unterseite des Schweifs, die Analregion/Perineum, die Lippen und die Ohrspeicheldrüsen-Region. Viele Melanome wachsen über Jahre langsam und scheinen zunächst gutartig, ein erheblicher Teil kann jedoch maligne entarten, verdrängend wachsen oder streuen — eine sichere Vorhersage ist von außen nicht möglich.
Equines Asthma (RAO / COB)
Chronisch-entzündliche Atemwegserkrankung durch Staub-/Schimmel-Allergene mit Bronchospasmus und vermehrtem Schleim.
Equines Herpesvirus (EHV-1/EHV-4)
EHV-1 und EHV-4 sind weit verbreitete, hochansteckende Herpesviren des Pferdes. EHV-4 verursacht vor allem Atemwegsinfekte, EHV-1 zusätzlich Aborte (Virusabort) und die gefürchtete neurologische Form (Equine Herpesvirus-Myeloenzephalopathie, EHM). Einmal infizierte Pferde tragen das Virus latent in sich und können es unter Stress reaktivieren.
Fazialisparese (Gesichtsnervenlähmung)
Bei der Fazialisparese ist der Gesichtsnerv (Nervus facialis) ein- oder beidseitig in seiner Funktion gestört, sodass die mimische Muskulatur von Lippe, Nüster und Ohr nicht mehr richtig arbeitet. Häufige Ursachen sind Druck- oder Trauma-Einwirkungen, etwa durch ein zu enges Halfter, langes Liegen auf hartem Untergrund oder eine ungünstige Lagerung während einer Narkose. Das typische Bild ist eine hängende Lippe und ein eingezogenes Nüster auf der betroffenen Seite.
Fellwechselstörungen
Der Fellwechsel ist eine stoffwechselintensive Phase; ein zäher, verzögerter oder unvollständiger Wechsel kann auf erhöhten Nährstoffbedarf, Stoffwechselbelastung oder eine zugrundeliegende Erkrankung hinweisen. Bei älteren Pferden ist ein verzögerter Fellwechsel ein klassisches Warnzeichen für PPID (Cushing).
Fohlensepsis & Failure of Passive Transfer (FPT)
Fohlen werden ohne eigene Antikörper geboren und sind auf die Aufnahme von Abwehrstoffen (IgG) aus dem ersten Kolostrum angewiesen. Wird in den ersten Lebensstunden zu wenig Kolostrum aufgenommen (Failure of Passive Transfer), fehlt der Immunschutz — der Hauptrisikofaktor für eine lebensbedrohliche Blutvergiftung (Sepsis) des Neugeborenen.
Futtermittelallergie / Futtermittelunverträglichkeit
Bei einer echten Futtermittelallergie reagiert das Immunsystem auf einen Futterbestandteil, meist mit Haut- oder Verdauungssymptomen. Sie ist beim Pferd jedoch selten und wird häufig überdiagnostiziert — viele vermeintliche Allergien sind nicht-immunologische Unverträglichkeiten oder haben andere Ursachen. Der Nachweis ist anspruchsvoll und gelingt am ehesten über eine kontrollierte Eliminationsdiät.
Geriatrische Abmagerung & Muskelschwund (Sarkopenie)
Viele ältere Pferde verlieren über die Zeit an Gewicht und vor allem an Muskulatur (Sarkopenie), besonders über der Oberlinie und am Hinterteil. Das ist fast immer multifaktoriell — Zahnabnutzung, hormonelle Veränderungen (PPID), nachlassende Futterverwertung, Schmerz oder Konkurrenz in der Herde wirken zusammen. Abmagerung im Alter ist kein normaler Teil des Älterwerdens, sondern ein Anlass, die Ursachen gezielt zu suchen.
Hahnentritt (Stringhalt)
Der Hahnentritt (Stringhalt) ist eine Bewegungsstörung, bei der ein oder beide Hinterbeine beim Vorführen ruckartig und übertrieben hoch angezogen werden, teils bis in Richtung Bauch. Es handelt sich um eine neuromuskuläre Störung; neben einer klassischen, oft einseitigen Form gibt es eine weide-assoziierte (australische) Variante, die mit der Aufnahme bestimmter Pflanzen — vor allem Flatweed (Hypochaeris radicata), seltener Wicken oder Lathyrus-Arten — in Verbindung gebracht wird und mehrere Pferde einer Herde betreffen kann.
Harnsteine / Urolithiasis (Blasen- und Nierensteine)
Bildung von Konkrementen in den Harnwegen, beim Pferd am häufigsten Blasensteine aus Calciumcarbonat. Begünstigt wird das durch den von Natur aus alkalischen, mineralreichen Pferdeharn; Wallache und ältere Pferde sind überrepräsentiert. Eine Verlegung des Harnabflusses kann notfallnah werden.
Hautpilz (Dermatophytose, Ringworm)
Ansteckende Pilzinfektion der oberen Hautschichten (meist Trichophyton/Microsporum) mit kreisrunden, schuppigen, haarlosen Stellen. Sie ist hochansteckend zwischen Pferden und auf den Menschen übertragbar (Zoonose).
Headshaking-Syndrom (Trigeminus-vermitteltes Headshaking)
Beim Headshaking schleudert oder schlägt das Pferd unwillkürlich und oft heftig den Kopf, vorwiegend in der Vertikalen, als Reaktion auf eine schmerzhafte Überempfindlichkeit des Trigeminusnervs (Gesichtsnerv). Eine häufige Form ist lichtgetriggert (photic Headshaking) und tritt saisonal im Sommer und bei Sonnenlicht verstärkt auf. Das Syndrom ist keine Unart, sondern ein neuropathisches Geschehen, das die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann.
Hepatische Enzephalopathie / Hyperammonämie
Neurologische Funktionsstörung infolge eines Leberversagens: Die geschädigte Leber kann Ammoniak und andere Stoffwechselprodukte nicht mehr ausreichend entgiften, die ins Gehirn gelangen. Es handelt sich um eine akute Krise auf dem Boden einer schweren Lebererkrankung.
HERDA (Hereditary Equine Regional Dermal Asthenia, PPIB)
Erbliche Bindegewebsstörung der Haut (Kollagen-Defekt durch eine Mutation im PPIB-Gen), bei der die Hautschichten unzureichend verankert sind. HERDA wird autosomal-rezessiv vererbt und tritt vor allem in bestimmten Cutting-/Performance-Linien des Quarter Horse auf; nur homozygote Tiere sind betroffen, Anlageträger sind klinisch unauffällig.
Herzklappenerkrankung / Klappeninsuffizienz (Valvular Disease)
Bei einer Herzklappenerkrankung schließen eine oder mehrere Herzklappen nicht mehr vollständig, sodass Blut zurückströmt (Insuffizienz) und ein Herzgeräusch hörbar wird. Häufigste Form ist die degenerative Verdickung der Mitral- oder Aortenklappe, oft ein Zufallsbefund bei der Auskultation; viele Pferde bleiben über Jahre belastbar, während fortgeschrittene Fälle die Leistung einschränken können.
Hitzschlag & belastungsbedingte Überhitzung
Lebensbedrohlicher Wärmestau, wenn die Wärmeabgabe der Belastung und/oder Umgebungshitze nicht mehr standhält — oft kombiniert mit Dehydratation. Die Körpertemperatur steigt stark, ein Kreislaufkollaps ist möglich. Dies ist ein Notfall.
Hornhautgeschwür (Kornealulkus)
Defekt der Hornhautoberfläche, der von oberflächlich bis tief in das Hornhautgewebe reichen kann. Ein Geschwür ist schmerzhaft und sehgefährdend: Bakterielle oder enzymatische Prozesse können ein einschmelzendes (melting) Geschwür innerhalb von Stunden bis wenigen Tagen bis zur Durchbohrung des Auges verschlimmern.
Hufabszess (Hufgeschwür)
Beim Hufabszess sammelt sich Eiter in den nicht dehnbaren Strukturen der Hufkapsel an und erzeugt schmerzhaften Druck — typischerweise eine plötzliche, oft hochgradige Lahmheit. So dramatisch das aussieht: Nach fachgerechtem Öffnen und Abfließen bessert sich der Zustand meist rasch.
Hufhornschwäche (brüchiges Horn)
Schlechte Hornqualität mit brüchigem, splitterndem Horn und Problemen beim Beschlag. Wächst nur langsam (~6–9 mm/Monat) — Geduld nötig.
Hufrehe & Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
Insulindysregulation mit Adipositas-Neigung und hohem Risiko endokrinopathischer Hufrehe (Laminitis). Häufig bei leichtfuttrigen Rassen/Ponys.
Hufrollenentzündung / Podotrochlose (Navicular Syndrome)
Podotrochlose ist ein chronischer Komplex von Veränderungen an Strahlbein, Schleimbeutel und tiefer Beugesehne im Hufrollenbereich, der häufig zu einer wechselnden Vorderhandlahmheit führt. Die Ursachen gelten als multifaktoriell (u. a. Belastung, Hufform, Biomechanik); das Syndrom ist meist nicht heilbar, aber über Management oft lange beeinflussbar.
Hydrozephalus (Friese, B3GALNT2)
Erbliche Entwicklungsstörung des Friesen mit krankhafter Ansammlung von Hirnwasser und stark vergrößertem Schädel des Fohlens, verursacht durch eine Mutation im B3GALNT2-Gen und autosomal-rezessiv vererbt. Betroffene Fohlen sind meist nicht lebensfähig (oft Totgeburt); der vergrößerte Kopf bedeutet zudem ein erhebliches Risiko für eine Schwergeburt (Dystokie) und damit eine Gefahr für die Stute.
Hyperlipämie / Fettleber (Hyperlipemia)
Bei der Hyperlipämie überschwemmen mobilisierte Fettsäuren das Blut und lagern sich als Fett in der Leber ein — ausgelöst durch eine negative Energiebilanz (Futterverweigerung, Stress, Trächtigkeit/Laktation). Besonders Ponys, Esel und Miniaturpferde sind betroffen; der Verlauf kann lebensbedrohlich sein.
HYPP (Hyperkaliämische periodische Paralyse, SCN4A)
Erbliche Funktionsstörung eines Natriumkanals der Skelettmuskulatur (SCN4A), die zu episodischer Muskelschwäche bis zur Lähmung führt. Die Anlage stammt aus der Quarter-Horse-Hengstlinie Impressive und wird autosomal-dominant vererbt, sodass auch heterozygote (N/H) Pferde Symptome zeigen können. Ein hoher Kaliumgehalt im Futter ist ein zentraler Auslöser von Episoden.
Immunseneszenz (altersbedingt nachlassende Immunabwehr)
Mit dem Alter verändert sich das Immunsystem des Pferdes: Die Abwehr reagiert langsamer und weniger zielgerichtet, gleichzeitig steigt eine niedriggradige chronische Entzündungsneigung (Inflammaging). In der Folge können ältere Pferde anfälliger für Infekte sein, langsamer heilen und schwächer auf Impfungen ansprechen. Eine begleitende PPID-Erkrankung kann diese Effekte zusätzlich verstärken.
Insulindysregulation / Insulinresistenz (ID/IR)
Insulindysregulation ist ein gestörter Zucker-/Insulinstoffwechsel mit überschießender oder anhaltender Insulinantwort, oft als Kern des EMS. Sie gilt als zentraler Risikofaktor für endokrinopathische Hufrehe und wird über Blutdiagnostik objektiviert.
Katarakt (Grauer Star)
Trübung der Augenlinse, die das Sehvermögen je nach Ausmaß einschränkt. Katarakte können angeboren, altersbedingt oder Folge anderer Augenerkrankungen (z. B. einer rezidivierenden Uveitis) sein und verlaufen häufig chronisch.
Kau- & Schluckschwäche im Alter (dentale Insuffizienz)
Beim alten Pferd nutzen sich die lebenslang nachschiebenden Zähne irgendwann auf, es entstehen Lücken, Wackelzähne oder fehlende Backenzähne (dentale Insuffizienz). Das Pferd kann sein Raufutter nicht mehr ausreichend zerkleinern — es bildet Futterwickel und lässt sie fallen (Quidding), das Risiko für Schlundverstopfung steigt und es magert langsam ab. Mit angepasstem Futtermanagement bleiben viele dieser Pferde gut versorgt.
Kehlkopfpfeifen / Recurrent Laryngeal Neuropathy (Roaring)
Beim Kehlkopfpfeifen ist die Nervenversorgung der Kehlkopfmuskulatur — meist linksseitig — gestört, sodass sich ein Stimmlippenknorpel beim Einatmen nicht ausreichend öffnet. Das verengt die Atemwege unter Belastung und erzeugt das typische pfeifende Atemgeräusch; vor allem große Pferde sind betroffen.
Kissing Spines (Dornfortsatz-Engstand / ORDSP)
Bei Kissing Spines liegen die Dornfortsätze benachbarter Brust-/Lendenwirbel zu eng beieinander oder berühren sich, was zu Reizung und Rückenschmerz führen kann. Wichtig: Ein Röntgenbefund allein bedeutet nicht zwingend Beschwerden — entscheidend ist das Gesamtbild aus Bildgebung und klinischen Zeichen.
Kolik-Risiko (Prävention)
Kolik ist ein Notfall mit vielen Ursachen — ein erheblicher Teil der Risikofaktoren liegt im Fütterungs- und Haltungsmanagement und ist steuerbar.
Kotwasser (Free Fecal Water Syndrome / FFWS)
Beim Kotwasser wird zusätzlich zum geformten Kot freie, oft braune Flüssigkeit abgesetzt, die Schweif und Hinterhand verschmutzt. Die Ursachen gelten als multifaktoriell und sind wissenschaftlich noch nicht abschließend geklärt; das Allgemeinbefinden ist meist ungestört.
Kryptopyrrolurie (KPU) — Diskussionsthema
KPU ist ein in der Praxis viel diskutierter Begriff für eine vermutete Stoffwechsel-/Entgiftungsstörung, wird in der etablierten Veterinärmedizin jedoch NICHT als eigenständige, wissenschaftlich gesicherte Erkrankung anerkannt. Belastbare Studien fehlen; die zugeschriebenen Symptome sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben.
Kryptorchismus (Hodenhochstand / Klopphengst)
Angeborenes Ausbleiben des Abstiegs eines oder beider Hoden in den Hodensack; der zurückgebliebene Hoden liegt im Leistenkanal oder in der Bauchhöhle. Betroffene Hengste (Klopphengste) zeigen oft hengstartiges Verhalten trotz scheinbar unvollständiger Kastration.
Lavender Foal Syndrome (LFS / CCDL, MYO5A)
Schwere erbliche neurologische Erkrankung des neugeborenen Araber-Fohlens (auch Coat Color Dilution Lethal), verursacht durch eine Mutation im MYO5A-Gen und autosomal-rezessiv vererbt. Betroffene Fohlen zeigen direkt nach der Geburt schwerste neurologische Störungen und sind nicht lebensfähig; oft fällt zugleich eine verdünnte (lavendel-/silbrig-rosa) Fellfarbe auf.
Lebensqualität, Multimorbidität & humane Begleitung im Alter
Sehr alte Pferde tragen oft mehrere chronische Belastungen gleichzeitig (Multimorbidität) — etwa Arthrose, PPID, Zahnverlust und nachlassende Kondition. Dieser Eintrag ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Rahmen, um Lebensqualität ehrlich einzuschätzen: Wie steht es um Schmerz, Beweglichkeit, Fressen und Sozialkontakt? Dazu gehört auch, rechtzeitig und einfühlsam über die tierärztlich begleitete Abschiedsentscheidung nachzudenken.
Lebererkrankung (Hepatopathie)
Sammelbegriff für Leberfunktionsstörungen unterschiedlicher Ursache (Toxine, Infektion, Stoffwechsel). Die Leber hat hohe Regenerationskraft.
Lymphangitis (Einschuss, Phlegmone)
Die Lymphangitis ist eine schmerzhafte Entzündung der Lymphgefäße und des umliegenden Gewebes, meist an einem Hinterbein, mit ausgeprägter Schwellung. Auslöser sind häufig bakterielle Infektionen über kleine Hautverletzungen (z. B. bei Mauke), seltener auch nicht-infektiöse/immunvermittelte Prozesse. Sie verläuft akut, sehr schmerzhaft und neigt zu Rückfällen.
Magengeschwüre (EGUS)
Schädigung der Magenschleimhaut durch Säurebelastung, Fresspausen, Stress und stärkereiche Rationen. Sehr verbreitet bei Sportpferden.
Mauke (Dermatitis im Fesselbereich / Pastern Dermatitis)
Sammelbegriff für eine entzündliche Hautreaktion in der Fesselbeuge mit nässenden, krustigen oder schrundigen Stellen. Mauke ist meist multifaktoriell (Nässe, Schmutz, Reibung) und kann sich bakteriell oder durch Milben verkomplizieren.
Maul-/Schleimhautverletzung (gebiss- oder fremdkörperbedingt)
Verletzungen der Maulschleimhaut, der Zunge, der Laden (zahnfreier Kieferbereich) oder der Lippen entstehen häufig durch unpassende oder hart eingesetzte Gebisse, durch scharfe Zahnkanten oder durch Fremdkörper (z. B. Holzsplitter, Grannen). Sie sind schmerzhaft und können das Fressen und die Anlehnung am Gebiss deutlich beeinträchtigen.
Milbenbefall / Räude (Equine Mange, Chorioptes/Sarcoptes)
Hauterkrankung durch parasitäre Milben (häufig Chorioptes an Fessel/Unterschenkel, seltener Sarcoptes/Psoroptes) mit starkem Juckreiz, Schuppen und Krusten. Räude ist ansteckend und wird oft über Kontakt oder gemeinsames Equipment übertragen.
Mineralstoff-Imbalancen
Nicht nur Mangel, sondern auch ein Ungleichgewicht der Mengen- und Spurenelemente (z. B. das Verhältnis von Kupfer zu Zink oder Calcium zu Phosphor) kann Haut, Horn, Muskulatur und Stoffwechsel beeinflussen. Da Heu regional stark schwankt, lassen sich Imbalancen am besten über Rations- und Blutanalyse einschätzen.
Muskelfaserriss / Muskelzerrung (akute Sportverletzung)
Akute Überdehnung oder ein Einriss von Muskelfasern, meist durch plötzliche Spitzenbelastung, Fehltritt oder unzureichendes Aufwärmen. Anders als beim Kreuzverschlag ist die Schädigung lokal begrenzt; entscheidend ist eine korrekte Diagnose und kontrollierte Heilung.
Myokarditis (Herzmuskelentzündung)
Bei der Myokarditis entzündet sich der Herzmuskel selbst, häufig im Anschluss an virale oder bakterielle Infektionen oder durch toxische Einflüsse. Die Entzündung kann die Pumpkraft schwächen und Herzrhythmusstörungen auslösen; sie ist eine ernste Erkrankung, die bis zum Herzversagen führen kann und tierärztlich überwacht gehört.
Nachgeburtsverhalten (Retentio secundinarum)
Ausbleibender oder unvollständiger Abgang der Nachgeburt (Eihäute) nach dem Abfohlen. Anders als beim Rind ist dies beim Pferd ein Notfall: Geht die Nachgeburt nicht innerhalb weniger Stunden (Faustregel etwa 3 Stunden) vollständig ab, drohen lebensbedrohliche Gebärmutterentzündung (Metritis), Endotoxämie und in deren Folge Hufrehe.
Nervosität & Stress
Erhöhte Schreckhaftigkeit/innere Unruhe — oft multifaktoriell (Haltung, Management, Mangel, Schmerz). Verhaltensursachen zuerst ausschließen.
Nesselsucht (Urtikaria, Quaddeln)
Akute, oft allergisch oder pseudoallergisch bedingte Hautreaktion mit plötzlich auftretenden, erhabenen Quaddeln. Sie kann harmlos und flüchtig sein, aber auch wiederkehren — und ist bei begleitender Schwellung oder Atemnot ein Warnzeichen.
Niereninsuffizienz (akutes & chronisches Nierenversagen)
Eingeschränkte Nierenfunktion, bei der harnpflichtige Stoffwechselprodukte im Blut ansteigen (Azotämie). Sie tritt akut auf — etwa nach starker Dehydratation, Schock, Toxinen oder Überdosierung von Schmerzmitteln — oder entwickelt sich chronisch und schleichend; beim Pferd ist sie insgesamt seltener als beim Kleintier.
Pemphigus foliaceus (autoimmune Hauterkrankung)
Pemphigus foliaceus ist die häufigste autoimmune Hauterkrankung des Pferdes. Das Immunsystem bildet Antikörper gegen Verbindungsproteine der eigenen Oberhautzellen, wodurch sich Hautschichten lösen und Pusteln, Krusten und Schuppen entstehen. Die Veränderungen beginnen oft an Kopf, Beinen oder Unterbauch und können sich ausbreiten.
Pferdeinfluenza (Equine Influenza, Pferdegrippe)
Hochansteckende virale Atemwegserkrankung durch das equine Influenzavirus (Orthomyxovirus, Typ A). Sie verbreitet sich rasch über Tröpfchen und führt typischerweise zu plötzlichem Fieber und trockenem Husten; bei unkompliziertem Verlauf erholen sich gesunde Pferde meist, eine vorzeitige Belastung kann den Verlauf jedoch verschleppen.
Photosensibilisierung (Lichtdermatitis)
Bei der Photosensibilisierung reagiert die Haut überschießend auf Sonnenlicht, weil lichtaktive Stoffe (Photosensibilisatoren) in der Haut UV-Energie freisetzen und Gewebe schädigen. Betroffen sind vor allem unpigmentierte, weiße Hautareale. Man unterscheidet eine primäre Form (Photosensibilisatoren direkt aus Pflanzen) von einer sekundären, leberassoziierten Form, bei der eine geschädigte Leber ein Abbauprodukt des Chlorophylls (Phylloerythrin) nicht mehr ausreichend ausscheidet.
Plattenepithelkarzinom am Auge (okuläres SCC)
Das Plattenepithelkarzinom ist der häufigste Tumor am Pferdeauge und betrifft v. a. Lider, Bindehaut und die Hornhaut-Bindehaut-Grenze. Begünstigt wird es durch UV-Strahlung und unpigmentierte (rosa) Lidränder — eine frühe Abklärung verdächtiger Veränderungen ist wichtig.
Pleuropneumonie / Reisefieber (Shipping Fever)
Die Pleuropneumonie ist eine schwere bakterielle Infektion von Lunge und Brustfell (Pleura), bei der sich Entzündung und Flüssigkeit/Eiter im Brustraum ansammeln. Sie tritt häufig nach langen Transporten mit fixiertem, erhöhtem Kopf auf (Reisefieber) und ist eine potenziell lebensbedrohliche Erkrankung, die rasch tierärztlich behandelt werden muss.
PPID (Equines Cushing-Syndrom)
Funktionsstörung der Hypophyse (Pars intermedia) mit Hormondysregulation, v. a. bei älteren Pferden. Erhöht u. a. das Hufrehe-Risiko.
PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie)
Erblich bedingte Muskelstoffwechsel-Störung mit krankhafter Glykogen-Speicherung; äußert sich in belastungsabhängigen Muskelproblemen (Kreuzverschlag).
Purpura haemorrhagica (immunvermittelte Vaskulitis)
Die Purpura haemorrhagica ist eine immunvermittelte, nekrotisierende Entzündung kleiner Blutgefäße (Typ-III-Hypersensitivität). Sie tritt klassisch etwa zwei bis vier Wochen nach einer Druse-Infektion (Streptococcus equi) oder seltener nach Impfung/anderen Infekten auf, wenn das Immunsystem mit kreuzreagierenden Komplexen die Gefäßwände schädigt. Typisch sind ausgedehnte Ödeme und punktförmige Blutungen der Schleimhäute.
Pyrrolizidinalkaloid-Leberschaden (Jakobskreuzkraut, Senecio u. a.)
Chronische Leberschädigung durch Pyrrolizidinalkaloide (PA) aus Giftpflanzen wie Jakobskreuzkraut/Greiskraut (Senecio), Wasserdost oder Beinwell. Die Aufnahme erfolgt oft unbemerkt über Heu/Silage, in dem getrocknete Pflanzen ihren bitteren Geschmack verlieren; die Schädigung ist schleichend-kumulativ.
Regenekzem (Dermatophilose, Rain Rot)
Bakterielle Hautinfektion durch Dermatophilus congolensis, die bei anhaltender Nässe und Feuchtigkeit aufflammt. Typisch sind krustige, pinselartig verklebte Haarbüschel entlang der Oberlinie; nach Abnahme der Krusten zeigen sich kahle Stellen.
Sandkolik (Sandanschoppung / Sand Enteropathy)
Bei der Sandkolik sammelt sich aufgenommener Sand im Dickdarm an und kann zu Reizung, Durchfall, Verstopfung oder einer schmerzhaften Kolik führen. Eine akute Kolik ist immer ein tierärztlicher NOTFALL — Sandanschoppungen können lebensbedrohlich werden.
Sarkoide (Equine Sarcoids)
Sarkoide sind die häufigsten Hauttumoren des Pferdes — lokal aggressive, fibroblastische Hautwucherungen, die mit dem bovinen Papillomavirus (BPV-1/-2) assoziiert sind. Sie metastasieren nicht, neigen aber zu Rückfällen und können nach Reizung aggressiver werden.
Scharfe Zahnkanten / Zahnhaken (Sharp Enamel Points)
Pferdezähne wachsen lebenslang nach und nutzen sich durch das Kauen ab. Weil der Oberkiefer breiter ist als der Unterkiefer, bilden sich an den Außenkanten der oberen und den Innenkanten der unteren Backenzähne scharfe Schmelzspitzen (Zahnhaken), die in Wange oder Zunge drücken können. Sie gehören zu den häufigsten Befunden bei der Routine-Zahnkontrolle.
Schlundverstopfung (Choke / Ösophagusobstruktion)
Bei der Schlundverstopfung verlegt ein Futterballen oder Fremdkörper die Speiseröhre, sodass Futter und Speichel nicht abgeschluckt werden können. Anders als beim Menschen ist die Atmung dabei meist frei — dennoch ist Choke ein akuter tierärztlicher NOTFALL.
SCID (Schwerer kombinierter Immundefekt, DNA-PKcs/PRKDC)
Erblicher, schwerer Defekt der Immunabwehr beim Araber-Fohlen: Durch eine Mutation im DNA-PKcs-Gen (PRKDC) werden funktionsfähige B- und T-Lymphozyten nicht gebildet. SCID wird autosomal-rezessiv vererbt; betroffene Fohlen sind nach dem Verbrauch der mütterlichen Antikörper aus der Biestmilch praktisch schutzlos gegen Infektionen. Die Erkrankung ist nicht heilbar, betroffene Fohlen versterben in der Regel in den ersten Lebensmonaten.
Sehnen- & Bänderschaden (Tendinitis / Desmitis)
Schädigung von Sehnen (z. B. oberflächliche/tiefe Beugesehne) oder Bändern (z. B. Fesselträger) durch Überlastung oder akutes Trauma. Sehnengewebe heilt langsam und vernarbt mit minderwertigerem, weniger elastischem Ersatzgewebe — Rückfälle sind häufig, weshalb eine konsequente, kontrollierte Rehabilitation entscheidend ist.
Shivering (Shivers, neuromuskuläre Bewegungsstörung)
Shivering (Shivers) ist eine meist langsam fortschreitende neuromuskuläre Bewegungsstörung, die vor allem große Pferderassen betrifft. Typisch sind unwillkürliches Zucken und eine überstreckte, zitternde Haltung der Hinterhand, die besonders beim Rückwärtsrichten und beim Anheben der Hinterbeine (etwa zum Hufauskratzen oder Beschlagen) auftritt. Die genaue Ursache ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden Veränderungen im Kleinhirn (Purkinje-Zellen).
Sinusitis (Nasennebenhöhlenentzündung)
Bei der Sinusitis entzünden sich eine oder mehrere der luftgefüllten Nasennebenhöhlen, oft mit Ansammlung von Sekret oder Eiter. Sie entsteht primär nach Atemwegsinfekten oder sekundär durch erkrankte Backenzahnwurzeln, deren Spitzen bis in die Kieferhöhle reichen.
Sommerekzem
Allergische Hautreaktion (Überempfindlichkeit gegen Speichel von Kriebelmücken/Gnitzen) mit starkem Juckreiz, v. a. an Mähnenkamm und Schweifrübe.
Spat (Tarsalgelenk-Arthrose / Bone Spavin)
Spat ist eine fortschreitende, degenerative Arthrose der kleinen, straffen Sprunggelenke (untere Tarsalgelenke). Im Verlauf können die betroffenen Gelenkflächen knöchern verschmelzen, was die Lahmheit langfristig oft wieder verringert. Spat entwickelt sich meist schleichend und betrifft häufig ältere oder über Jahre stark beanspruchte Pferde.
Strahlfäule (Thrush)
Strahlfäule ist ein bakterieller (oft anaerober) Zersetzungsprozess des Strahlhorns, der vor allem in feuchtem, schmutzigem Milieu und bei mangelnder Hufhygiene entsteht. Erkennbar ist sie an schwarzem, schmierigem Belag und fauligem Geruch in den Strahlfurchen; bei oberflächlichem Befall ist sie meist gut über Management beherrschbar.
Strangulierendes Lipom (gestieltes Lipom als Senior-Kolik-Ursache)
Ein Lipom ist ein gutartiger Fettknoten, der im Bauchraum am Aufhängeband des Darms (Mesenterium) entstehen kann. Bei älteren Pferden und Ponys hängt ein solches Lipom oft an einem strangartigen Stiel — schlingt sich dieser Stiel um eine Darmschlinge, wird der Darm abgeschnürt (Strangulation) und von der Blutversorgung abgeschnitten. Das ist ein akuter, hochgradig schmerzhafter und oft chirurgischer Kolik-Notfall.
Tetanus (Wundstarrkrampf, Clostridium tetani)
Tetanus ist eine lebensbedrohliche, durch das Bodenbakterium Clostridium tetani ausgelöste Erkrankung. Über kleinste Wunden gelangen Sporen in den Körper, deren Toxin die Muskulatur verkrampfen lässt. Pferde sind besonders empfindlich, der Verlauf ist häufig tödlich — die Impfung (Grundimmunisierung und Auffrischung) ist der entscheidende Schutz.
Thrombophlebitis (Venenentzündung mit Thrombus)
Bei der Thrombophlebitis entzündet sich eine Venenwand und es bildet sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) im Gefäß, am Pferd am häufigsten in der Drosselvene (V. jugularis). Sie entsteht oft nach Venenkathetern, Injektionen oder reizenden Medikamentengaben und ist meist gut sichtbar; bei Verschluss oder Infektion des Gefäßes drohen Komplikationen.
Übergewicht / Adipositas
Übergewicht ist bei Freizeitpferden weit verbreitet und kein kosmetisches Thema: überschüssiges Körperfett ist stoffwechselaktiv und erhöht das Risiko für Insulindysregulation und Hufrehe. Der Body Condition Score (BCS) hilft, die Verfassung objektiv einzuschätzen.
Übertrainingssyndrom (chronischer Leistungsabfall)
Anhaltendes Missverhältnis von Belastung und Erholung, das zu nachlassender Leistung, schlechter Regeneration und verändertem Verhalten führt. Es ist eine Ausschlussdiagnose — andere Erkrankungen (Schmerz, Magen, Atemwege, Stoffwechsel) müssen zuerst abgeklärt werden.
Virusabort / Abort (Fehlgeburt, v. a. EHV-1)
Vorzeitiges Absterben und Ausstoßen der Frucht. Eine der wichtigsten infektiösen Ursachen ist das Equine Herpesvirus (EHV-1), das einzelne Aborte bis hin zu Abortepidemien im Bestand auslösen kann. Abortmaterial und Fruchtwasser sind hochansteckend.
Vorhofflimmern (Atrial Fibrillation, AF)
Vorhofflimmern ist eine Herzrhythmusstörung, bei der die Herzvorhöfe ungeordnet und sehr schnell erregt werden, sodass der Herzschlag unregelmäßig wird. Es gilt als häufigste leistungslimitierende Rhythmusstörung des Pferdes und fällt oft erst durch nachlassende Leistung auf, da das große Pferdeherz die Störung in Ruhe lange kompensieren kann.
Warmblood Fragile Foal Syndrome (WFFS, PLOD1)
Erbliche Bindegewebsstörung des Warmbluts durch eine Mutation im PLOD1-Gen (gestörte Kollagen-Vernetzung), autosomal-rezessiv vererbt. Betroffene homozygote Föten werden meist abortiert oder kommen mit extrem verletzlicher, einreißender Haut und überstreckbaren Gelenken zur Welt; die Form gilt als überwiegend letal. Anlageträger sind klinisch unauffällig und bei Warmblütern relativ häufig.
West-Nil-Virus (West-Nil-Fieber, neurologisch)
Das West-Nil-Virus (WNV) ist ein durch Stechmücken übertragenes Virus, das beim Pferd eine Entzündung von Gehirn und Rückenmark auslösen kann. Die meisten infizierten Pferde zeigen keine Symptome; erkrankt ein Pferd neurologisch, ist der Verlauf jedoch ernst und ein erheblicher Anteil verstirbt oder muss eingeschläfert werden. Eine Impfung ist verfügbar.
Wobbler-Syndrom (Cervical Vertebral Malformation, CVM / Halswirbel-Stenose)
Beim Wobbler-Syndrom kommt es durch eine Fehlbildung oder Instabilität der Halswirbel zu einer Einengung (Stenose) des Wirbelkanals und damit zu einer Druckschädigung des Rückenmarks. Folge ist eine meist fortschreitende Ataxie (Koordinationsstörung), die häufig bei jungen, schnellwüchsigen Großpferden auftritt. SICHERHEITSHINWEIS: Ataktische Pferde sind in Bewegung und Handling unberechenbar und können stürzen — Reiten und enger Umgang bergen ein erhebliches Verletzungsrisiko für Mensch und Tier.
Wolfszähne (Wolf Teeth)
Wolfszähne sind kleine, rudimentäre Zähne, die unmittelbar vor dem ersten Backenzahn sitzen — meist im Oberkiefer und nicht bei jedem Pferd vorhanden. An sich sind sie harmlos, können aber dort, wo das Gebiss anliegt, Druck und Reizungen verursachen, weshalb sie vor dem Anreiten häufig entfernt werden.
Wurmbefall / Darmparasiten (Endoparasiten)
Pferde tragen praktisch immer einen gewissen Wurmbesatz; problematisch wird erst ein hoher oder schädigender Befall (u. a. kleine Strongyliden, Spulwürmer, Bandwürmer). Hoher Befall kann Verdauungsstörungen, Abmagerung und ein erhöhtes Kolikrisiko verursachen — zunehmende Wurmmittel-Resistenzen machen ein gesteuertes Vorgehen wichtig.
Zwergwuchs / Dwarfism (Friese, B4GALT7)
Erbliche Skelett-/Bindegewebsstörung des Friesen durch eine Mutation im B4GALT7-Gen (gestörter Aufbau von Proteoglykanen der Knorpel-/Bindegewebsmatrix), autosomal-rezessiv vererbt. Betroffene Fohlen zeigen verkürzte Gliedmaßen bei relativ normaler Rumpf-/Kopfgröße sowie überstreckbare Gelenke. Nur homozygote Tiere sind betroffen; Anlageträger sind unauffällig.
Equiterna ist eine Vermittlungsplattform für Pferde-Wissen, -Marktplatz und -Werkzeuge — kein Tierarzneimittel-Händler, keine Tierarzt-Praxis, keine Apotheke. Angaben zu Wirkstoffen sind studienattribuiert und ohne Heilversprechen. Rechtsrahmen: VO (EU) 2019/6 / TAMG (DE/AT), Futtermittel-VO (EG) 767/2009, FEI-Verbotsliste, HWG.

