Mein Pferd ist alt geworden
Senior Horse Health™, Zähne, Stoffwechsel, Beweglichkeit, Zellversorgung
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
Passende Kategorien
Senior Horse Health™
Ältere Pferde betreffen mehrere Systeme gleichzeitig: Zähne, Darm, Stoffwechsel, Bewegung, Immunsystem, Zellversorgung.
Zahn- & Maulgesundheit
Schlechtes Fressen, Futter fallen lassen, Gewichtsverlust, Maulgeruch.
Stoffwechsel & Hormonsystem
Übergewicht, Hufrehe-Neigung, Cushing, belasteter Stoffwechsel — endokrine Themen wirken auf den ganzen Organismus.
Erkrankungen mit Detailseite
Backenzahn-Fraktur / apikale Zahninfektion
hochEin Backenzahn kann brechen (Fraktur) oder sich an der Wurzelspitze infizieren (apikale Infektion). Bei den hinteren Oberkiefer-Backenzähnen reichen die Wurzeln bis in die Kieferhöhle, sodass eine Wurzelinfektion eine sekundäre (dentale) Sinusitis auslösen kann. Die Befunde sind schmerzhaft und brauchen eine zügige tierärztliche Abklärung.
Diastema & Parodontitis (Futtertaschen, Zahnfleischtaschen)
mittelAls Diastema bezeichnet man einen abnormen Spalt zwischen zwei benachbarten Backenzähnen. In solchen Lücken kann sich Futter festsetzen (Futtertaschen), was Zahnfleisch und Zahnhalteapparat entzündet (Parodontitis). Dies gilt als eine der schmerzhaftesten Maulerkrankungen des Pferdes.
EOTRH (Equine Odontoclastic Tooth Resorption and Hypercementosis)
mittelEOTRH ist eine schmerzhafte, fortschreitende Erkrankung vor allem der Schneide- und Eckzähne älterer Pferde. Dabei wird Zahnsubstanz durch Odontoklasten abgebaut (Resorption), während der Körper teils mit überschießender Zementbildung (Hyperzementose) reagiert, was die Zahnwurzeln knollig auftreibt. Die Ursache ist noch nicht vollständig geklärt.
Equines (Schimmel-)Melanom (Equine Melanoma)
niedrigDas equine Melanom ist ein Tumor der pigmentbildenden Zellen, der ganz überwiegend ältere Schimmel (graue Pferde) betrifft — bei alten Schimmeln sehr häufig. Typische Stellen sind die Schweifrübe/Unterseite des Schweifs, die Analregion/Perineum, die Lippen und die Ohrspeicheldrüsen-Region. Viele Melanome wachsen über Jahre langsam und scheinen zunächst gutartig, ein erheblicher Teil kann jedoch maligne entarten, verdrängend wachsen oder streuen — eine sichere Vorhersage ist von außen nicht möglich.
Fellwechselstörungen
niedrigDer Fellwechsel ist eine stoffwechselintensive Phase; ein zäher, verzögerter oder unvollständiger Wechsel kann auf erhöhten Nährstoffbedarf, Stoffwechselbelastung oder eine zugrundeliegende Erkrankung hinweisen. Bei älteren Pferden ist ein verzögerter Fellwechsel ein klassisches Warnzeichen für PPID (Cushing).
Geriatrische Abmagerung & Muskelschwund (Sarkopenie)
niedrigViele ältere Pferde verlieren über die Zeit an Gewicht und vor allem an Muskulatur (Sarkopenie), besonders über der Oberlinie und am Hinterteil. Das ist fast immer multifaktoriell — Zahnabnutzung, hormonelle Veränderungen (PPID), nachlassende Futterverwertung, Schmerz oder Konkurrenz in der Herde wirken zusammen. Abmagerung im Alter ist kein normaler Teil des Älterwerdens, sondern ein Anlass, die Ursachen gezielt zu suchen.
Hufrehe & Equines Metabolisches Syndrom (EMS)
hochInsulindysregulation mit Adipositas-Neigung und hohem Risiko endokrinopathischer Hufrehe (Laminitis). Häufig bei leichtfuttrigen Rassen/Ponys.
Hyperlipämie / Fettleber (Hyperlipemia)
NotfallBei der Hyperlipämie überschwemmen mobilisierte Fettsäuren das Blut und lagern sich als Fett in der Leber ein — ausgelöst durch eine negative Energiebilanz (Futterverweigerung, Stress, Trächtigkeit/Laktation). Besonders Ponys, Esel und Miniaturpferde sind betroffen; der Verlauf kann lebensbedrohlich sein.
Immunseneszenz (altersbedingt nachlassende Immunabwehr)
niedrigMit dem Alter verändert sich das Immunsystem des Pferdes: Die Abwehr reagiert langsamer und weniger zielgerichtet, gleichzeitig steigt eine niedriggradige chronische Entzündungsneigung (Inflammaging). In der Folge können ältere Pferde anfälliger für Infekte sein, langsamer heilen und schwächer auf Impfungen ansprechen. Eine begleitende PPID-Erkrankung kann diese Effekte zusätzlich verstärken.
Insulindysregulation / Insulinresistenz (ID/IR)
mittelInsulindysregulation ist ein gestörter Zucker-/Insulinstoffwechsel mit überschießender oder anhaltender Insulinantwort, oft als Kern des EMS. Sie gilt als zentraler Risikofaktor für endokrinopathische Hufrehe und wird über Blutdiagnostik objektiviert.
Kau- & Schluckschwäche im Alter (dentale Insuffizienz)
niedrigBeim alten Pferd nutzen sich die lebenslang nachschiebenden Zähne irgendwann auf, es entstehen Lücken, Wackelzähne oder fehlende Backenzähne (dentale Insuffizienz). Das Pferd kann sein Raufutter nicht mehr ausreichend zerkleinern — es bildet Futterwickel und lässt sie fallen (Quidding), das Risiko für Schlundverstopfung steigt und es magert langsam ab. Mit angepasstem Futtermanagement bleiben viele dieser Pferde gut versorgt.
Kryptopyrrolurie (KPU) — Diskussionsthema
niedrigKPU ist ein in der Praxis viel diskutierter Begriff für eine vermutete Stoffwechsel-/Entgiftungsstörung, wird in der etablierten Veterinärmedizin jedoch NICHT als eigenständige, wissenschaftlich gesicherte Erkrankung anerkannt. Belastbare Studien fehlen; die zugeschriebenen Symptome sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben.
Lebensqualität, Multimorbidität & humane Begleitung im Alter
niedrigSehr alte Pferde tragen oft mehrere chronische Belastungen gleichzeitig (Multimorbidität) — etwa Arthrose, PPID, Zahnverlust und nachlassende Kondition. Dieser Eintrag ist kein einzelnes Krankheitsbild, sondern ein Rahmen, um Lebensqualität ehrlich einzuschätzen: Wie steht es um Schmerz, Beweglichkeit, Fressen und Sozialkontakt? Dazu gehört auch, rechtzeitig und einfühlsam über die tierärztlich begleitete Abschiedsentscheidung nachzudenken.
Maul-/Schleimhautverletzung (gebiss- oder fremdkörperbedingt)
mittelVerletzungen der Maulschleimhaut, der Zunge, der Laden (zahnfreier Kieferbereich) oder der Lippen entstehen häufig durch unpassende oder hart eingesetzte Gebisse, durch scharfe Zahnkanten oder durch Fremdkörper (z. B. Holzsplitter, Grannen). Sie sind schmerzhaft und können das Fressen und die Anlehnung am Gebiss deutlich beeinträchtigen.
Mineralstoff-Imbalancen
niedrigNicht nur Mangel, sondern auch ein Ungleichgewicht der Mengen- und Spurenelemente (z. B. das Verhältnis von Kupfer zu Zink oder Calcium zu Phosphor) kann Haut, Horn, Muskulatur und Stoffwechsel beeinflussen. Da Heu regional stark schwankt, lassen sich Imbalancen am besten über Rations- und Blutanalyse einschätzen.
PPID (Equines Cushing-Syndrom)
mittelFunktionsstörung der Hypophyse (Pars intermedia) mit Hormondysregulation, v. a. bei älteren Pferden. Erhöht u. a. das Hufrehe-Risiko.
Scharfe Zahnkanten / Zahnhaken (Sharp Enamel Points)
niedrigPferdezähne wachsen lebenslang nach und nutzen sich durch das Kauen ab. Weil der Oberkiefer breiter ist als der Unterkiefer, bilden sich an den Außenkanten der oberen und den Innenkanten der unteren Backenzähne scharfe Schmelzspitzen (Zahnhaken), die in Wange oder Zunge drücken können. Sie gehören zu den häufigsten Befunden bei der Routine-Zahnkontrolle.
Strangulierendes Lipom (gestieltes Lipom als Senior-Kolik-Ursache)
NotfallEin Lipom ist ein gutartiger Fettknoten, der im Bauchraum am Aufhängeband des Darms (Mesenterium) entstehen kann. Bei älteren Pferden und Ponys hängt ein solches Lipom oft an einem strangartigen Stiel — schlingt sich dieser Stiel um eine Darmschlinge, wird der Darm abgeschnürt (Strangulation) und von der Blutversorgung abgeschnitten. Das ist ein akuter, hochgradig schmerzhafter und oft chirurgischer Kolik-Notfall.
Übergewicht / Adipositas
niedrigÜbergewicht ist bei Freizeitpferden weit verbreitet und kein kosmetisches Thema: überschüssiges Körperfett ist stoffwechselaktiv und erhöht das Risiko für Insulindysregulation und Hufrehe. Der Body Condition Score (BCS) hilft, die Verfassung objektiv einzuschätzen.
Wolfszähne (Wolf Teeth)
niedrigWolfszähne sind kleine, rudimentäre Zähne, die unmittelbar vor dem ersten Backenzahn sitzen — meist im Oberkiefer und nicht bei jedem Pferd vorhanden. An sich sind sie harmlos, können aber dort, wo das Gebiss anliegt, Druck und Reizungen verursachen, weshalb sie vor dem Anreiten häufig entfernt werden.
Equiterna ist eine Vermittlungsplattform für Pferde-Wissen, -Marktplatz und -Werkzeuge — kein Tierarzneimittel-Händler, keine Tierarzt-Praxis, keine Apotheke. Angaben zu Wirkstoffen sind studienattribuiert und ohne Heilversprechen. Rechtsrahmen: VO (EU) 2019/6 / TAMG (DE/AT), Futtermittel-VO (EG) 767/2009, FEI-Verbotsliste, HWG.

