Neurologie
Ataxie, Stolpern, Koordinationsprobleme, Headshaking — neurologische Auffälligkeiten brauchen klare Abklärung.
Wann zum Tierarzt
Neurologische Symptome (Ataxie, Festliegen, Krämpfe, plötzliche Auffälligkeiten) sind immer tierärztlich und oft dringend abzuklären.
Erkrankungen mit Detailseite
Headshaking-Syndrom (Trigeminus-vermitteltes Headshaking)
mittelBeim Headshaking schleudert oder schlägt das Pferd unwillkürlich und oft heftig den Kopf, vorwiegend in der Vertikalen, als Reaktion auf eine schmerzhafte Überempfindlichkeit des Trigeminusnervs (Gesichtsnerv). Eine häufige Form ist lichtgetriggert (photic Headshaking) und tritt saisonal im Sommer und bei Sonnenlicht verstärkt auf. Das Syndrom ist keine Unart, sondern ein neuropathisches Geschehen, das die Lebensqualität stark beeinträchtigen kann.
Wobbler-Syndrom (Cervical Vertebral Malformation, CVM / Halswirbel-Stenose)
hochBeim Wobbler-Syndrom kommt es durch eine Fehlbildung oder Instabilität der Halswirbel zu einer Einengung (Stenose) des Wirbelkanals und damit zu einer Druckschädigung des Rückenmarks. Folge ist eine meist fortschreitende Ataxie (Koordinationsstörung), die häufig bei jungen, schnellwüchsigen Großpferden auftritt. SICHERHEITSHINWEIS: Ataktische Pferde sind in Bewegung und Handling unberechenbar und können stürzen — Reiten und enger Umgang bergen ein erhebliches Verletzungsrisiko für Mensch und Tier.
Equine Protozoäre Myeloenzephalitis (EPM)
hochDie EPM ist eine durch Protozoen (meist Sarcocystis neurona, seltener Neospora hughesi) ausgelöste Entzündung von Gehirn und Rückenmark, die sehr unterschiedliche neurologische Ausfälle verursachen kann. GEOGRAFISCHER HINWEIS: EPM ist vor allem in Nord-, Mittel- und Südamerika verbreitet, weil ihr Endwirt — das Opossum — dort heimisch ist; in Europa und im DACH-Raum tritt sie praktisch nur bei importierten Pferden oder Reiserückkehrern auf, die sich zuvor in Amerika aufgehalten haben. Pferde infizieren sich über Futter oder Wasser, das mit Opossum-Kot verunreinigt ist, nicht von Pferd zu Pferd.
Fazialisparese (Gesichtsnervenlähmung)
mittelBei der Fazialisparese ist der Gesichtsnerv (Nervus facialis) ein- oder beidseitig in seiner Funktion gestört, sodass die mimische Muskulatur von Lippe, Nüster und Ohr nicht mehr richtig arbeitet. Häufige Ursachen sind Druck- oder Trauma-Einwirkungen, etwa durch ein zu enges Halfter, langes Liegen auf hartem Untergrund oder eine ungünstige Lagerung während einer Narkose. Das typische Bild ist eine hängende Lippe und ein eingezogenes Nüster auf der betroffenen Seite.
Hahnentritt (Stringhalt)
niedrigDer Hahnentritt (Stringhalt) ist eine Bewegungsstörung, bei der ein oder beide Hinterbeine beim Vorführen ruckartig und übertrieben hoch angezogen werden, teils bis in Richtung Bauch. Es handelt sich um eine neuromuskuläre Störung; neben einer klassischen, oft einseitigen Form gibt es eine weide-assoziierte (australische) Variante, die mit der Aufnahme bestimmter Pflanzen — vor allem Flatweed (Hypochaeris radicata), seltener Wicken oder Lathyrus-Arten — in Verbindung gebracht wird und mehrere Pferde einer Herde betreffen kann.
Shivering (Shivers, neuromuskuläre Bewegungsstörung)
niedrigShivering (Shivers) ist eine meist langsam fortschreitende neuromuskuläre Bewegungsstörung, die vor allem große Pferderassen betrifft. Typisch sind unwillkürliches Zucken und eine überstreckte, zitternde Haltung der Hinterhand, die besonders beim Rückwärtsrichten und beim Anheben der Hinterbeine (etwa zum Hufauskratzen oder Beschlagen) auftritt. Die genaue Ursache ist nicht abschließend geklärt; diskutiert werden Veränderungen im Kleinhirn (Purkinje-Zellen).
Cerebelläre Abiotrophie (CA, TOE1/MUTYH)
mittelErbliche Erkrankung des Kleinhirns (Cerebellum) beim Araber, bei der spezialisierte Nervenzellen vorzeitig zugrunde gehen. CA wird autosomal-rezessiv vererbt (Marker im TOE1-Gen, Regulationswirkung auf das benachbarte MUTYH); betroffen sind nur homozygote Tiere. Typisch sind Koordinations- und Gleichgewichtsstörungen, die meist im Fohlenalter auffallen und bestehen bleiben.
Lavender Foal Syndrome (LFS / CCDL, MYO5A)
NotfallSchwere erbliche neurologische Erkrankung des neugeborenen Araber-Fohlens (auch Coat Color Dilution Lethal), verursacht durch eine Mutation im MYO5A-Gen und autosomal-rezessiv vererbt. Betroffene Fohlen zeigen direkt nach der Geburt schwerste neurologische Störungen und sind nicht lebensfähig; oft fällt zugleich eine verdünnte (lavendel-/silbrig-rosa) Fellfarbe auf.
Hydrozephalus (Friese, B3GALNT2)
NotfallErbliche Entwicklungsstörung des Friesen mit krankhafter Ansammlung von Hirnwasser und stark vergrößertem Schädel des Fohlens, verursacht durch eine Mutation im B3GALNT2-Gen und autosomal-rezessiv vererbt. Betroffene Fohlen sind meist nicht lebensfähig (oft Totgeburt); der vergrößerte Kopf bedeutet zudem ein erhebliches Risiko für eine Schwergeburt (Dystokie) und damit eine Gefahr für die Stute.
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