Wirkstoff-Profile
Phytotherapie

Weißklee

Trifolium repens · Kriechklee · White Clover

Wirkmechanismus

Weissklee ist eine der verbreitetsten Weideleguminosen Mitteleuropas und in Pferdeweiden oft ungewollt dominant, weil er tiefen Verbiss und Tritt besser vertraegt als Graeser. Zwei Aspekte sind fuer das Pferd relevant. (1) Kohlenhydrate und Hufrehe: Nichtstrukturkohlenhydrate (Einfachzucker, Staerke, Fruktane) koennen im Weideaufwuchs auf ueber 400 g/kg Trockenmasse ansteigen und sind experimentell in der Lage, Hufrehe auszuloesen; Longland und Byrd fassen zusammen, dass Weiden mit hohem Leguminosen- und Zuckeranteil sowie bestimmte Witterungslagen (sonnig-kalte Naechte, Stress, Nachwuchs nach Schnitt) das Risiko erhoehen (PMID 16772510). Weissklee ist dabei kein Fruktanspeicher im Sinne der Graeser, traegt aber ueber freie Zucker und die insgesamt hohe Verdaulichkeit zur Energiedichte des Aufwuchses bei - fuer EMS-, PPID- und rehegefaehrdete Pferde ist eine kleedominierte Weide daher ungeeignet. (2) Cyanogene Glykoside: Weissklee ist das Lehrbuchbeispiel des Cyanogenese-Polymorphismus. Der Ac-Locus steuert die Bildung von Linamarin und Lotaustralin, der Li-Locus die des spaltenden Enzyms Linamarase; nur Pflanzen mit dominanten Allelen an beiden Loci setzen bei Gewebeverletzung Blausaeure frei (Molecular evolution of the Li/li polymorphism, PMID 17784921). Quantitative Bestimmungen mit UPLC-MS/MS bestaetigen deutlich schwankende Glykosidgehalte zwischen Trifolium-Arten und -Herkuenften (PMID 24476020). Praktisch fuehrt das beim Pferd auf normaler Weide sehr selten zu klinischen Problemen - die aufgenommenen Mengen und die Verduennung im Bestand sind meist zu gering. Relevanz gewinnt das Thema bei extrem kleedominierten Flaechen, bei Frost-/Trockenstress und bei angewelktem, gequetschtem Material. (3) Blaehungen: als proteinreiche Leguminose foerdert Weissklee im Dickdarm Gasbildung, insbesondere bei ploetzlichem Weideanteilswechsel. Kontrollierte equine Fuetterungsstudien speziell zu Weissklee fehlen; die Einordnung stuetzt sich auf Weide-/Agronomie- und Toxikologieliteratur.

Vorsicht

  • · Kleedominierte Weide ist fuer EMS-, PPID- und rehegefaehrdete Pferde ungeeignet - Weidemanagement statt Portionierung im Einzelfall mit Tierarzt/Fuetterungsberatung klaeren
  • · Cyanogene Glykoside (Linamarin/Lotaustralin) genotypabhaengig: Vorsicht bei sehr kleedominierten Bestaenden, nach Frost, Trockenstress oder bei gequetschtem/angewelktem Material
  • · Blaehungs- und Gasbildungsrisiko bei ploetzlichem Wechsel auf kleereichen Aufwuchs - langsam anweiden
  • · Hoher Rohproteingehalt hebt Harnstoffbelastung und Boxenammoniak - Gesamtration nachrechnen
  • · Phytooestrogene wie bei anderen Trifolium-Arten moeglich; bei Zuchtstuten mitbedenken

Quellen

PMID 16772510Longland & Byrd 2006 - Pasture nonstructural carbohydrates and equine laminitis, The Journal of Nutrition
PMID 24476020Ultraperformance liquid chromatography tandem mass spectrometry determination of cyanogenic glucosides in Trifolium species, Journal of Agricultural and Food Chemistry 2014
PMID 17784921Molecular evolution of the Li/li chemical defence polymorphism in white clover (Trifolium repens L.), Molecular Ecology 2007

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Was unter Zwang geschieht, ist nicht edel.
Xenophon · Peri Hippikes (um 365 v. Chr.)

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