Wirkstoff-Profile
Phytotherapie

Sauerampfer

Rumex acetosa · Wiesen-Sauerampfer · Common Sorrel

Wirkmechanismus

Der saeuerliche Geschmack des Sauerampfers stammt von Oxalsaeure und ihren loeslichen Salzen; Gehalte um 300 mg Oxalsaeure je 100 g Frischmasse sind fuer Rumex acetosa dokumentiert. Toxikologisch relevant ist die Unterscheidung loeslicher von unloeslichen Oxalaten: nur loesliche Oxalate binden im Darmlumen Calcium (Bildung von unloeslichem Calciumoxalat) und mindern so dessen Verfuegbarkeit; resorbierte Oxalate werden renal ausgeschieden und koennen bei hoher Last als Calciumoxalat in den Tubuli auskristallisieren. Die Uebersichtsarbeit zur Oxalatvergiftung bei Haustieren fasst zusammen, dass Wiederkaeuer durch oxalatabbauende Pansenbakterien bei langsamer Gewoehnung deutlich tolerant werden, waehrend Nichtwiederkaeuer empfindlicher reagieren; als Orientierung werden fuer Wiederkaeuer weniger als 2,0 % loesliches Oxalat und fuer Nichtwiederkaeuer weniger als 0,5 % loesliches Oxalat in der Ration genannt (Rahman et al., Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition, PMID 22548678). Fuer das Pferd als Dickdarmfermentierer ist die Adaptationsfaehigkeit intermediaer und schlechter untersucht als beim Rind; die bekannteste equine Oxalatproblematik betrifft nicht Rumex, sondern oxalatreiche Tropengraeser (Setaria, Cenchrus) mit sekundaerem Hyperparathyreoidismus. Akute Vergiftungen mit toedlichem Ausgang sind fuer Sauerampfer beim Menschen dokumentiert (Fatal oxalic acid poisoning from sorrel soup, Lancet 1989, PMID 2574796) und fuer Rumex-Arten beim Rind (Oxalate (Rumex venosus) poisoning in cattle, 1978, PMID 670054). In der Praxis auf mitteleuropaeischen Pferdeweiden ist eine akute Sauerampfer-Vergiftung selten, weil Pferde die Pflanze meist meiden - riskant wird es bei ueberweideten, sauren, verdichteten Flaechen mit Sauerampfer-Dominanz und wenig Grasangebot, bei Sauerampfer-reichem Heu (Pferde selektieren im Heu schlechter) und bei sehr jungen oder ausgehungerten Tieren. Es gibt keine Studienbasis, die eine gezielte Sauerampfer-Zufuetterung an Pferde stuetzt. Die Einstufung bleibt daher orange: kein Kraut zum Zufuettern, sondern ein Weideunkraut, dessen Anteil aktiv niedrig gehalten werden sollte.

Vorsicht

  • · Loesliche Oxalate binden Calcium - bei groesseren Mengen Risiko fuer gestoerte Ca-Verfuegbarkeit und renale Belastung; nicht gezielt zufuettern
  • · Besonders vorsichtig bei Fohlen, Jungpferden, tragenden/laktierenden Stuten sowie Pferden mit bekannter Nierenvorbelastung oder Harnsteinneigung
  • · Erhoehtes Risiko bei ueberweideten, sauren Flaechen mit Sauerampfer-Dominanz und geringem Grasangebot sowie in sauerampferreichem Heu
  • · Symptome wie Kolik, Speicheln, Muskelzittern, Schwaeche oder veraendertes Harnverhalten nach Weidegang gehoeren umgehend in tieraerztliche Abklaerung
  • · Anthrachinonderivate der Rumex-Arten koennen zusaetzlich abfuehrend wirken

Quellen

PMID 22548678Rahman et al. 2013 - A review of oxalate poisoning in domestic animals: tolerance and performance aspects, Journal of Animal Physiology and Animal Nutrition
PMID 2574796Farre et al. 1989 - Fatal oxalic acid poisoning from sorrel soup, The Lancet
PMID 670054Dickie CW 1978 - Oxalate (Rumex venosus) poisoning in cattle, Journal of the American Veterinary Medical Association

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Was unter Zwang geschieht, ist nicht edel.
Xenophon · Peri Hippikes (um 365 v. Chr.)

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