Rotklee
Trifolium pratense · Wiesenklee · Red Clover
Wirkmechanismus
Rotklee enthaelt Isoflavone in deutlich hoeherer Konzentration als Soja, mit Formononetin und Biochanin A als Leitsubstanzen (etwa 2- bis 10-fach hoehere Gehalte als in Sojabohnen); im Stoffwechsel entstehen daraus Daidzein/Genistein und weiter das Metabolit Equol (Uebersicht: Nutrients 2023, PMC10343205). Diese Verbindungen binden schwach an Oestrogenrezeptoren. Beim Pferd ist die Datenlage duenn, aber nicht leer: In Lusitano-Stuten liessen sich nach Aufnahme von klee- und luzernehaltigem Weidefutter aktive Phytooestrogene (Coumestrol und Metabolit) im Plasma nachweisen, wobei die Plasmakonzentration die Bestandsdichte auf der Weide widerspiegelte; die Autoren diskutieren eine moegliche Interferenz mit 17-beta-Estradiol und dem Zyklusgeschehen (Theriogenology 2013, PMID 23845774). Daraus laesst sich keine Kausalitaet fuer Fruchtbarkeitsstoerungen beim Pferd ableiten - wohl aber die Empfehlung, kleedominierte Weiden bei Zuchtstuten bewusst zu steuern. Das zweite, klinisch klarer belegte Thema ist Slaframin. Rotklee wird haeufig vom Pilz Rhizoctonia leguminicola befallen (Blackpatch/Schwarzfleckenkrankheit, erkennbar als dunkle Blattflecken). Der Pilz bildet das Indolizidin-Alkaloid Slaframin, einen Muscarinrezeptor-Agonisten, sowie Swainsonin. Slaframin ist in Heu und vermutlich in Silage stabil und loest bei Pferden innerhalb weniger Stunden nach Aufnahme starken Speichelfluss aus, begleitet gelegentlich von Traenenfluss, weichem Kot, leichtem Blaehbauch und vermehrtem Harnabsatz; die Symptome sind in aller Regel selbstlimitierend nach Futterwechsel (Kagan 2016, Frontiers in Veterinary Medicine, PMID 26858953). Beguenstigende Bedingungen: feuchtwarme Witterung, zweiter Schnitt, Boden-pH 5,9-6,5. Futterwert: Rotklee ist rohprotein- und calciumreich und hebt bei hohem Bestandsanteil Protein- und Ca-Zufuhr der Ration deutlich an, was in der Rationsberechnung (Ca:P, Rohproteinueberschuss) beruecksichtigt werden muss.
Vorsicht
- · Phytooestrogene (Formononetin, Biochanin A): bei Zuchtstuten, Zyklusproblematik und in der Traechtigkeit zurueckhaltend einsetzen
- · Slaframin-Slobbers: bei ploetzlichem starkem Speichelfluss Kleeweide/Kleeheu auf dunkle Blattflecken (Blackpatch) pruefen und Futter wechseln; Differenzialdiagnosen (Zahn, Fremdkoerper, Schlundverstopfung, Vergiftung) gehoeren in tieraerztliche Hand
- · Hoher Rohprotein- und Calciumgehalt - Ration nachrechnen, besonders bei Jungpferden und Nierenpatienten
- · Leguminose: bei sehr hohem Anteil im Aufwuchs Gasbildung/Blaehungen moeglich, Anweiden verlangsamen
- · Cumarine im Klee: bei Verderb/Schimmel Risiko cumarinbedingter Gerinnungsstoerung - verdorbenes Kleeheu nicht verfuettern
Quellen
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
“Was unter Zwang geschieht, ist nicht edel.”
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