Neemblatt
Azadirachta indica (Blatt) · Niembaum-Blatt
Wirkmechanismus
ZENTRALE ABGRENZUNG - BLATT IST NICHT SAMENOEL: Azadirachta indica liefert zwei toxikologisch voellig unterschiedliche Rohstoffe. NEEM-SAMENOEL ist stark azadirachtin- und limonoidhaltig und bei Tieren ausgepraegt toxisch; die vergleichende Sicherheitsbewertung ordnet nicht-waessrigen Extrakten die niedrigsten geschaetzten sicheren Dosen zu, waehrend Samenoel und waessrige Extrakte weniger toxisch eingestuft werden - mit Lunge und ZNS als Zielorganen der Toxizitaet und dosisabhaengigen biochemischen und histopathologischen Veraenderungen (Boeke et al. 2004, PMID 15261960, Journal of Ethnopharmacology 94(1):25-41, DOI 10.1016/j.jep.2004.05.011). Neem-Samenoel ist in der Kleintier- und Nutztierpraxis mit hepatotoxischen, neurotoxischen (Krampfanfaelle, Enzephalopathie) und abortiven Wirkungen assoziiert und gehoert NICHT in die orale Anwendung beim Pferd. NEEMBLATT ist milder, aber ausdruecklich nicht harmlos. Der kritischste Punkt ist die Reproduktionstoxizitaet: In Nagermodellen sind fuer Azadirachta-indica-Extrakte deutliche antifertile Effekte dokumentiert - dosisabhaengige Abnahme von Hoden-, Nebenhoden- und Samenblasengewicht, Verschlechterung von Spermienzahl, -morphologie und -vitalitaet, Veraenderungen reproduktiver Hormone bis zur Zeugungsunfaehigkeit, wobei die Effekte nach Absetzen weitgehend reversibel waren (Raji et al. 2003, PMID 15032463, African Journal of Medical and Medical Sciences 32(2):159-165 - Untersuchung an Stammrindenextrakt). Die Reproduktionseffekte des Blattes im Kontext von Verfuetterung und ethnoveterinaerer Nutzung sind gesondert aufgearbeitet (DOI 10.3390/challe13020040). Fuer Blattextrakte sind ausserdem antifertile und embryotoxische Effekte in Nagern sowie bei laengerer hochdosierter Anwendung Hinweise auf genotoxische Schaeden beschrieben; von der Anwendung bei klinisch kranken oder immunsupprimierten Tieren wird abgeraten. EHRLICH ZUR PFERDE-DATENLAGE: Es existieren KEINE kontrollierten Studien zu oralem Neemblatt beim Pferd - weder zur antiparasitaeren Wirksamkeit noch zur Sicherheit. Eine antiparasitaere Wirksamkeit beim Pferd ist NICHT belegt; Neem ist kein Ersatz fuer tieraerztlich gesteuerte Entwurmung nach Kotprobenbefund. Die Einstufung ORANGE wird ausdruecklich BEIBEHALTEN - begruendet durch die Reproduktions-/Antifertilitaetsbefunde in Tierstudien, das Fehlen equiner Sicherheitsdaten und die hohe Verwechslungs- bzw. Deklarationsgefahr mit dem klar toxischen Samenoel. Aeusserliche Anwendung (Insektenabwehr) ist ein anderer, separat zu bewertender Anwendungspfad.
Vorsicht
- · STRIKT trennen: Neem-SAMENOEL ist bei Tieren toxisch (hepato-/neurotoxisch, abortiv, Krampfanfaelle) und gehoert nicht in die orale Anwendung - nur eindeutig deklariertes BLATT verwenden
- · Reproduktionstoxizitaet: in Tierstudien dokumentierte antifertile Effekte - bei traechtigen und laktierenden Stuten sowie bei Zuchthengsten und Zuchtstuten MEIDEN
- · Antiparasitaere Wirksamkeit beim Pferd ist NICHT belegt - kein Ersatz fuer tieraerztlich gesteuerte Entwurmung nach Kotprobenbefund
- · Nicht bei klinisch kranken, geschwaechten oder immunsupprimierten Pferden anwenden
- · Keine Dauergabe - Hinweise auf genotoxische Effekte bei laengerer hochdosierter Anwendung von Gesamtextrakten
- · Nicht bei Fohlen und Jungpferden
- · Deklaration und Chargen-CoA mit Pflanzenteil-Nachweis verlangen - Verwechslungs- und Verschnittgefahr mit Samenmaterial
- · Aeusserliche Anwendung ist ein separater Pfad und nicht durch dieses Profil abgedeckt
- · Einsatz nur nach tieraerztlicher Ruecksprache
Quellen
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
“Was unter Zwang geschieht, ist nicht edel.”
Equiterna ist eine Vermittlungsplattform für Pferde-Wissen, -Marktplatz und -Werkzeuge — kein Tierarzneimittel-Händler, keine Tierarzt-Praxis, keine Apotheke. Angaben zu Wirkstoffen sind studienattribuiert und ohne Heilversprechen. Rechtsrahmen: VO (EU) 2019/6 / TAMG (DE/AT), Futtermittel-VO (EG) 767/2009, FEI-Verbotsliste, HWG.

