Wirkstoff-Profile
Mineralstoff

Kupferchelat

Kupfer-Aminosaeure-Chelat · organisches Kupfer · Copper Bioplex · Kupferproteinat · Kupfer-Glycinat

Wirkmechanismus

Kupfer ist Cofaktor der Lysyloxidase, die Kollagen- und Elastinfasern quervernetzt und damit fuer Knorpel-, Sehnen- und Gefaesswandstabilitaet gebraucht wird, ausserdem von Cu/Zn-Superoxiddismutase, Cytochrom-c-Oxidase, Coeruloplasmin und Tyrosinase (Fellpigmentierung). Der Bedarf liegt nach NRC 2007 bei 10 mg Cu/kg Trockenmasse, also grob 100 mg/Tag fuer ein 500 kg Pferd; die GfE 2014 nennt vergleichbare Groessenordnungen, mit hoeheren Ansaetzen fuer tragende Stuten und Wachstum. Die pferdespezifisch bestdokumentierte Fragestellung ist der Zusammenhang zwischen Kupferstatus und Skelettentwicklung. Die neuseelaendische Arbeitsgruppe um Pearce zeigte 1998 an Weidevollblutern, dass Kupfersupplementierung tragender Stuten (ca. 0,5 mg Cu/kg KG/Tag als Kupfersulfat in den letzten 13-25 Traechtigkeitswochen) den Kupferstatus von Stute und Fohlen anhebt (Equine Vet J, PMID:9622320) und radiologische Physitis-Indizes sowie die Praevalenz von Gelenkknorpellaesionen der Fohlen im Alter von 150 Tagen senkt (PMID:9622322). Van Weeren et al. 2003 (Equine Vet J, doi:10.2746/042516403775467469) konnten den Zusammenhang zwischen Leberkupferstatus und osteochondrotischen Laesionen in einer weiteren Kohorte allerdings nicht in gleicher Deutlichkeit reproduzieren - die Datenlage ist also richtungsweisend, aber nicht abschliessend, und Jeffcott fasste den Stand schon 1998 unter dem Titel 'still a long way to go' zusammen. Zur organischen Bindungsform: Kupfer(II)-Chelat von Aminosaeuren, Hydrat, ist in der EU als Ernaehrungszusatzstoff zugelassen (Verordnung (EU) 2018/1039) und von der EFSA als wirksame Kupferquelle bewertet. Ein klarer klinischer Vorteil gegenueber Kupfersulfat ist beim Pferd nicht belegt; die einzige equine Vergleichsstudie (Ott & Johnson 2001, doi:10.1016/S0737-0806(01)70059-7, Proteinate von Zn, Cu und Mn) fand Gleichwertigkeit bei Wachstum und Skelettparametern und lediglich beim Hufwachstum einen kleinen Vorteil. Toxikologisch ist Kupfer beim Pferd vergleichsweise unproblematisch: Equiden gelten als deutlich toleranter als Schafe, bei denen sich Kupfer in der Leber akkumuliert und eine haemolytische Krise ausloesen kann. Das ist keine akademische Fussnote - Pferde-Mineralfutter oder -Lecksteine gehoeren nicht in Reichweite von Schafen auf gemeinsam beweideten Flaechen.

Vorsicht

  • · Zn:Cu-Verhaeltnis beachten: Hohe Zinkzufuhr induziert Metallothionein und kann die Kupferaufnahme blockieren - Kupfer und Zink immer gemeinsam bilanzieren, nie einzeln aufstocken.
  • · WEIDEGEMEINSCHAFT MIT SCHAFEN: Schafe sind gegenueber Kupfer weit empfindlicher als Pferde und koennen an fuer Pferde harmlosen Kupfergehalten eine toedliche haemolytische Krise entwickeln. Pferde-Mineralfutter, Lecksteine und Ergaenzer strikt vor Schafen sichern.
  • · Molybdaen, Schwefel und hohe Eisengehalte der Ration antagonisieren Kupfer - bei Verdacht auf Kupfermangel Rations- und ggf. Wasseranalyse statt Blindsupplementierung.
  • · EU-Hoechstgehalt fuer Gesamtkupfer bei anderen Tierarten (einschliesslich Equiden) liegt bei 25 mg/kg Alleinfutter (88 % TM) - Summe aus allen Ergaenzern pruefen.
  • · Der Vorteil organischer Kupferformen gegenueber Kupfersulfat ist beim Pferd nicht klinisch belegt; die vorliegende equine Vergleichsstudie zeigte Gleichwertigkeit.
  • · Kupfergaben zur Beeinflussung von Skelettentwicklung oder Gelenkbefunden gehoeren in tieraerztliche Begleitung; die Studienlage zu Osteochondrose ist uneinheitlich.

Quellen

PMID:9622320Pearce SG, Grace ND, Firth EC et al. 1998 - Effect of copper supplementation on copper status of pregnant mares and foals, Equine Veterinary Journal 30(3):200-203
PMID:9622322Pearce SG, Firth EC, Grace ND, Fennessy PF 1998 - Effect of copper supplementation on the evidence of developmental orthopaedic disease in pasture-fed New Zealand Thoroughbreds, Equine Veterinary Journal 30(3):211-218
doi:10.2746/042516403775467469van Weeren PR et al. 2003 - Influence of liver copper status of mare and newborn foal on the development of osteochondrotic lesions, Equine Veterinary Journal 35(1):67-71
doi:10.1016/S0737-0806(01)70059-7Ott EA, Johnson EL 2001 - Effect of trace mineral proteinates on growth and skeletal and hoof development in yearling horses, Journal of Equine Veterinary Science 21(6):287-291
CELEX:32018R1039Durchfuehrungsverordnung (EU) 2018/1039 der Kommission vom 23. Juli 2018 zur Zulassung von Kupferverbindungen einschliesslich Kupfer(II)-Chelat von Aminosaeuren, Hydrat, als Futtermittelzusatzstoffe fuer alle Tierarten
doi:10.17226/11653National Research Council 2007 - Nutrient Requirements of Horses, 6th rev. ed. (Cu-Bedarf 10 mg/kg TS, Toleranz, Antagonisten)

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Was unter Zwang geschieht, ist nicht edel.
Xenophon · Peri Hippikes (um 365 v. Chr.)

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