Wirkstoff-Profile
Phytotherapie

Hornklee

Lotus corniculatus · Gewöhnlicher Hornklee · Birdsfoot Trefoil

Wirkmechanismus

Hornklee ist agronomisch als bloat-safe legume etabliert: kondensierte Tannine binden loesliche Blattproteine im Pansen, verhindern die Schaumbildung und damit die akut lebensbedrohliche Schaumgaerung, die bei Luzerne und Weissklee auftreten kann (Lees 1992, Advances in Experimental Medicine and Biology, PMID 1417702). Als Schwellenwert fuer den Blaehschutz beim Rind werden etwa 5 g kondensierte Tannine je kg Trockenmasse angegeben. In mittleren Konzentrationen (rund 30-40 g/kg TM) erhoehen die Tannine zusaetzlich den Fluss unabgebauten Proteins in den Duenndarm und damit die Aminosaeurenaufnahme, ohne die freiwillige Futteraufnahme zu senken; bei sehr hohen Tanningehalten kehrt sich der Effekt um und Verdaulichkeit sowie Aufnahme sinken (Barry & McNabb, British Journal of Nutrition, PMID 10999013). Wichtig fuer die Uebertragung auf das Pferd: Diese Mechanismen sind Pansenphysiologie. Das Pferd ist Dickdarmfermentierer ohne Vormagen und entwickelt keine Schaumgaerung im Wiederkaeuersinn - der viel zitierte Vorteil des Hornklees ist beim Pferd also nicht direkt uebertragbar. Was bleibt, ist ein schmackhafter, protein- und mineralstoffreicher Leguminosen-Weidepartner mit relativ moderater Zuckerdichte. Die Gegenseite: Lotus-Arten bilden die cyanogenen Glucoside Linamarin und Lotaustralin, deren Vorkommen ueber den Ac-Locus polymorph gesteuert ist; europaeische Lotus-corniculatus-Populationen zeigen natuerliche Variation zwischen cyanogenen und acyanogenen Herkuenften, mit den hoechsten Gehalten in Blaettern junger Pflanzen (Forslund et al. 2004, Plant Physiology, PMID 15122013). In normalen Weidebestaenden mit begrenztem Hornklee-Anteil ist das beim Pferd praktisch unproblematisch; bei sehr dichten Reinbestaenden, jungem Aufwuchs, Frost- oder Trockenstress ist Zurueckhaltung angebracht. Kontrollierte equine Studien zu Hornklee liegen nicht vor.

Vorsicht

  • · Cyanogene Glykoside genotypabhaengig - junger Aufwuchs, Reinbestaende sowie frost- oder trockengestresste Pflanzen zurueckhaltend beweiden
  • · Der Blaehschutz durch kondensierte Tannine ist ein Wiederkaeuer-Effekt und laesst sich nicht 1:1 auf das Pferd uebertragen
  • · Hohe Tanningehalte koennen Proteinverdaulichkeit und Spurenelementverfuegbarkeit (u. a. Eisen, Zink) senken
  • · Keine kontrollierten equinen Fuetterungsstudien - Einordnung stuetzt sich auf Wiederkaeuer- und Agronomiedaten

Quellen

PMID 1417702Lees GL 1992 - Condensed tannins in some forage legumes: their role in the prevention of ruminant pasture bloat, Basic Life Sciences
PMID 10999013Barry TN & McNabb WC 1999 - The implications of condensed tannins on the nutritive value of temperate forages fed to ruminants, British Journal of Nutrition
PMID 15122013Forslund et al. 2004 - Biosynthesis of the nitrile glucosides rhodiocyanoside A and D and the cyanogenic glucosides lotaustralin and linamarin in Lotus japonicus, Plant Physiology

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Was unter Zwang geschieht, ist nicht edel.
Xenophon · Peri Hippikes (um 365 v. Chr.)

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