Wirkstoff-Profile
Naturstoff

Hafer

Avena sativa · Oats · Saathafer · Rispenhafer

Wirkmechanismus

Hafer liefert je nach Sorte rund 45-55 % Staerke, ca. 9-12 % Rohprotein sowie Fett und Rohfaser (Spelzenanteil) und ist damit eine energiereiche Getreidekomponente; die Verdauliche Energie liegt nach NRC 2007 bei etwa 3,3-3,4 Mcal DE/kg (rund 13-14 MJ DE/kg). Der praktische Vorteil von Hafer ist die vergleichsweise hohe praezaekale Verdaulichkeit seiner Staerke: Haferstaerke wird im Duenndarm besser aufgeschlossen als Mais- oder Gerstenstaerke, sodass weniger unverdaute Staerke in den Dickdarm gelangt (NRC 2007; Julliand et al., Staerkeverdauung beim Pferd). Trotzdem gilt: Wird zu viel Staerke pro Mahlzeit gefuettert, ueberlaeuft die Duenndarm-Kapazitaet, unverdaute Staerke wird im Dickdarm fermentiert, amylolytische Bakterien (Laktobazillen/Streptokokken) nehmen zu, Laktat steigt und der pH faellt - eine subklinische Dickdarm-Azidose, die in einer australischen Studie bei ueber einem Viertel der Rennpferde nachweisbar war (Richards et al. 2006, PMID 17092327). NRC 2007 und GfE 2014 empfehlen deshalb, Getreide in kleinen Portionen zu fuettern und die Staerkezufuhr pro Mahlzeit zu begrenzen (Richtwert-Diskussion um ~1 g Staerke/kg KG/Mahlzeit). Einordnung: bewaehrtes Energie-Ergaenzungsfuttermittel fuer bedarfsgerecht gefuetterte Arbeitspferde, aber kein Standardbestandteil fuer leichtfuttrige oder stoffwechselempfindliche Pferde - Deklaration als Ergaenzungsfuttermittel (VO 767/2009).

Vorsicht

  • · Staerke-/Getreidelast: grosse Einzelportionen ueberfordern die Duenndarm-Staerkeverdauung -> Dickdarm-Azidose, Kolik-/Hufrehe-Risiko
  • · EMS/PSSM/Hufrehe-Vorgeschichte: staerkereiche Getreide grundsaetzlich meiden bzw. nur nach tieraerztlicher/ernaehrungsberatender Ruecksprache
  • · Magenschleimhaut (EGUS): hohe Kraftfuttergaben ohne ausreichend Raufutter foerdern Magengeschwuere - immer Raufutter zuerst
  • · Auf mehrere kleine Mahlzeiten aufteilen statt einer grossen Ration
  • · Rohfaser-/Spelzenqualitaet und Hygiene (Schimmel, Milben) pruefen

Quellen

NRC 2007National Research Council 2007 - Nutrient Requirements of Horses (Energie-/Staerkewerte, Fuetterungsempfehlungen Getreide)
GfE 2014GfE 2014 - Empfehlungen zur Energie- und Naehrstoffversorgung von Pferden (Kraftfutter-/Staerke-Portionierung)
PMID 17092327Richards N et al. 2006, Aust Vet J - Grain feeding practices, hindgut starch fermentation and acidosis in racing Thoroughbreds

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

Was unter Zwang geschieht, ist nicht edel.
Xenophon · Peri Hippikes (um 365 v. Chr.)

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