Gerste
Hordeum vulgare · Barley · Futtergerste
Wirkmechanismus
Gerste enthaelt rund 50-60 % Staerke bei etwas hoeherer Energiedichte als Hafer (NRC 2007: ca. 3,6-3,8 Mcal DE/kg), jedoch ist ihre Staerke deutlich resistenter gegen die praezaekale Verdauung als Haferstaerke. In Verdaulichkeitsstudien haengt die praezaekale Staerkeverdauung stark von der Aufbereitung ab: ganze, unbehandelte Gerste wird nur zu etwa 55 % vor dem Blinddarm verdaut, gemahlene bis ca. 97 % (PMID 18503068, Effects of processing barley on its digestion by horses). Erhitzungsverfahren (Mikronisieren, Extrudieren) verbessern die Staerkeverdauung staerker als reines Quetschen, erhoehen aber die glykaemische/insulinaemische Antwort - extrudierte Gerste erzeugt die hoechsten Glukose- und Insulinspitzen. Die Verarbeitungsform beeinflusst zudem Dickdarm-Faserverdaulichkeit und Mikrobiota (PMID 26316024, Impact of barley form on equine total tract fibre digestibility and colonic microbiota). Unaufgeschlossene oder ueberdosierte Gerste transportiert entsprechend viel Staerke in den Dickdarm und beguenstigt dort - wie bei allen Getreiden - Azidose, Dysbiose und in der Folge Kolik-/Hufrehe-Risiko (NRC 2007; GfE 2014). Einordnung: energiereiches Ergaenzungsfuttermittel, das nur aufgeschlossen und streng portioniert an bedarfsgerecht arbeitende Pferde gehoert - Deklaration als Ergaenzungsfuttermittel (VO 767/2009).
Vorsicht
- · Staerke-/Getreidelast hoeher als bei Hafer: schlechter praezaekal verdaulich -> mehr Dickdarm-Fermentation bei Ueberdosierung
- · Ganze/unbehandelte Gerste vermeiden; aufgeschlossene Formen bevorzugen, aber Extrudat/Mikronisat erhoehen Glukose-/Insulin-Antwort
- · EMS/Insulindysregulation/Hufrehe: staerkereiche Getreide meiden bzw. nur nach Fachberatung
- · Immer kleine Portionen mit ausreichend Raufutter-Vorlage; Magengeschwuer-Risiko (EGUS) beachten
- · Hygiene/Lagerung pruefen (Schimmel, Mykotoxine)
Quellen
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
“Was unter Zwang geschieht, ist nicht edel.”
Equiterna ist eine Vermittlungsplattform für Pferde-Wissen, -Marktplatz und -Werkzeuge — kein Tierarzneimittel-Händler, keine Tierarzt-Praxis, keine Apotheke. Angaben zu Wirkstoffen sind studienattribuiert und ohne Heilversprechen. Rechtsrahmen: VO (EU) 2019/6 / TAMG (DE/AT), Futtermittel-VO (EG) 767/2009, FEI-Verbotsliste, HWG.

