WFFS und der Gentest — was ein Trägerstatus wirklich bedeutet
Das Warmblood Fragile Foal Syndrome wird rezessiv vererbt. Warum Trägertiere nicht aus der Zucht müssen und Anpaarungssteuerung der eigentliche Hebel ist.
Dr. agr. Miriam Vogt
Pferdezucht & Populationsgenetik
Das Warmblood Fragile Foal Syndrome (WFFS) ist eine erbliche Bindegewebsstörung. Ursache ist eine einzelne Punktmutation im PLOD1-Gen (c.2032G>A), das für ein Enzym der Kollagenreifung codiert. Fehlt funktionsfähiges Kollagen, ist das Bindegewebe extrem fragil — betroffene Fohlen sind nicht lebensfähig.
Rezessiv heißt: zwei Kopien nötig
Entscheidend ist der Erbgang. WFFS wird autosomal-rezessiv vererbt. Ein Pferd mit nur einer Kopie der Variante ist Träger (heterozygot) — es ist klinisch vollkommen gesund und zeigt keinerlei Symptome. Erst wenn ein Fohlen von beiden Elternteilen je eine betroffene Kopie erbt (homozygot), tritt das Krankheitsbild auf.
Aus dieser Mendel-Statistik folgt die zentrale Einsicht: Nur die Verpaarung zweier Träger kann ein betroffenes Fohlen hervorbringen. Wird ein Träger mit einem genetisch freien Partner angepaart, ist kein einziges Fohlen betroffen — die Hälfte der Nachkommen sind statistisch wieder gesunde Träger.
Warum Träger nicht aus der Zucht müssen
Die Trägerfrequenz liegt in mehreren Warmblutpopulationen im zweistelligen Prozentbereich; in Hannoveranern und Dänischem Warmblut wurden Werte um 10 bis 17 Prozent berichtet, und auch Oldenburger, KWPN und Trakehner führen die Variante. Würde man alle Träger pauschal ausschließen, ginge wertvolle genetische Vielfalt verloren und der Selektionsdruck auf wenige Linien stiege — populationsgenetisch ein Eigentor.
“Ein Träger ist kein krankes Pferd. Er ist ein gesundes Tier, dessen Anpaarung man kennen und steuern muss.”
Der sachgerechte Weg ist deshalb nicht Ausschluss, sondern Anpaarungssteuerung: Beide Elterntiere werden über einen validierten Gentest auf den PLOD1-Status geprüft, und die Kombination Träger x Träger wird vermieden. So bleibt das Krankheitsbild zuverlässig aus dem Bestand, ohne die genetische Basis zu verengen.
Praxis: Vor der Anpaarung lohnt der Gentest beider Elterntiere über ein anerkanntes Labor. Die Zuchtberatung der jeweiligen Verbände und genetische Fachstellen ordnen den Status individuell ein — eine Diagnose am Einzeltier ersetzt dieser Artikel nicht.
Quellen
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
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