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Gesundheit29. Mai 2026 · 8 Min

Das alte Pferd — Management für gute Jahre

Ab etwa 18 bis 20 Jahren verschieben sich die Prioritäten: Gewicht und Zähne brauchen mehr Aufmerksamkeit, die Fütterung folgt der Kaufähigkeit, und die Wachsamkeit für altersbedingte Stoffwechselveränderungen steigt. Ein Leitfaden für Lebensqualität statt Reparatur.

EH

Dr. med. vet. Elena Haas

Tierärztin · Prävention

Altpferd auf der Morgenkoppel

Pferde werden alt — viele weit über zwanzig. Ein fester Schwellenwert für das Senioren-Management existiert nicht; in der Praxis lohnt sich ein genauerer Blick ab etwa 18 bis 20 Jahren, weil sich ab dann mehrere Veränderungen häufen. Eine Erhebung an Pferden über 20 Jahren fand bei rund zwei Dritteln mindestens einen chronischen Gesundheitsbefund. Alter ist keine Krankheit — aber es verdient ein angepasstes Management.

Gewicht und Body Condition im Blick behalten

Beim alten Pferd kann das Gewicht in beide Richtungen kippen: Manche setzen Reserven an, viele verlieren mit nachlassender Kaufähigkeit langsam Substanz. Das tückische daran ist die Geschwindigkeit — Veränderung über Wochen fällt am eigenen Pferd kaum auf. Body Condition Score und Maßband-Schätzung in festen Abständen machen den Trend sichtbar, bevor das Auge ihn bemerkt.

Chronischer Befund · Pferde > 20 J.
~69 %
mind. ein chronisches Gesundheitsproblem · Ireland et al., geriatrische Erhebung

Fütterung folgt der Kaufähigkeit

Die wichtigste Stellschraube beim Senior ist das Maul. Mit nachlassender Reservekrone, Lücken oder Wellengebiss wird langes Raufutter schwerer zu zerkleinern — erkennbar an Wickelkauen oder zu Boden fallenden Futterballen (Quidding). Seniorenfutter ist auf diese Situation zugeschnitten: gut aufschließbar, energiedicht ohne hohe Stärke, mit angepasstem Eiweiß. Wo Heu nicht mehr ausreichend gekaut werden kann, treten eingeweichte Heucobs oder Raufutter-Ersatzprodukte an die Stelle — denn die ständige Raufutterversorgung (Richtwert mindestens 1,5 % der Körpermasse Trockenmasse pro Tag) bleibt auch im Alter die Basis. Die Detailanpassung der Ration gehört in fachkundige Beratung.

Beim alten Pferd entscheidet nicht, was im Trog liegt, sondern was im Magen ankommt. Die Frage lautet immer zuerst: Kann es das überhaupt kauen?
Aus der Bestandsbetreuung

Bewegung, Hufe, Parasiten — die Routinen bleiben

Bewegung hält den älteren Bewegungsapparat geschmeidig; gerade bei beginnenden Gelenkveränderungen ist gleichmäßige, schonende Aktivität meist günstiger als Stillstand. Hufpflege im gewohnten Rhythmus von sechs bis acht Wochen, regelmäßige Zahnkontrolle (im Alter eher häufiger) und eine kotprobengestützte, selektive Entwurmung bleiben feste Bausteine. Editorial flankierend werden für den alternden Bewegungsapparat Wirkstoffe wie Grünlippmuschel diskutiert, für den antioxidativen Status Vitamin E — beides Ergänzungsfuttermittel, keine Tierarzneimittel und kein Ersatz für eine tierärztliche Beurteilung.

Wachsamkeit für PPID

Mit dem Alter steigt die Wahrscheinlichkeit für die Equine Pituitary Pars Intermedia Dysfunction (PPID, früher Cushing). Prävalenzschätzungen liegen bei Pferden ab 15 Jahren um etwa ein Fünftel — Tendenz mit dem Alter steigend. Frühe, unspezifische Hinweise wie ein verzögerter oder ungleichmäßiger Fellwechsel, nachlassende Leistung oder wiederkehrende Infekte sind ein Anlass, das Thema tierärztlich abzuklären, nicht es selbst zu deuten.

Wichtig: Dieser Text ist edukativ und ersetzt keine Untersuchung. Auffälligkeiten bei Gewicht, Fellwechsel, Kauverhalten oder Bewegung gehören tierärztlich abgeklärt. Die genannten Wirkstoffe sind Ergänzungs-/Diätfuttermittel — bei Turnierpferden zusätzlich den FEI-Status der eingesetzten Präparate prüfen.

Gutes Senioren-Management ist keine Liste von Eingriffen, sondern eine Haltung: regelmäßig hinschauen, kleine Veränderungen ernst nehmen und die Routinen an das anpassen, was das Pferd noch leisten kann. Lebensqualität entsteht aus dieser Aufmerksamkeit — nicht aus dem letzten teuren Zusatz im Eimer.

Quellen

AAEPAAEP — Senior Horse Care Guidelines
Ireland et al., EVJIreland et al. — Survey of health care and disease in geriatric horses, Equine Vet J
NRC 2007NRC — Nutrient Requirements of Horses (aged horse)
BMEL 2009BMEL-Leitlinien zur Beurteilung von Pferdehaltung

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

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