PSSM und der Muskelstoffwechsel — warum Fett die Stärke ersetzt
Polysaccharid-Speicher-Myopathie staut Glykogen im Muskel. Warum eine stärke- und zuckerarme, fettbetonte Ration plus regelmäßige Bewegung das Management tragen — und wo der Gentest endet.
Dr. Lena Fischer
Ernährungsberaterin · NRC / GfE
Die Polysaccharid-Speicher-Myopathie (PSSM) ist eine Störung des Muskelstoffwechsels, bei der die Skelettmuskulatur ungewöhnlich viel Glykogen — die Speicherform von Glucose — und teils auch eine abnorme, schwer abbaubare Polysaccharidform einlagert. Die Folge können belastungsabhängige Muskelprobleme sein, im Sprachgebrauch oft als Kreuzverschlag oder Tying-up beschrieben.
Unterschieden werden zwei Formen. PSSM1 beruht auf einer Punktmutation im GYS1-Gen, das die Glykogensynthase codiert — diese Mutation lässt sich über einen validierten Gentest direkt nachweisen. PSSM2 ist die unschärfere Kategorie: Sie fasst myopathische Bilder mit ähnlicher Muskelhistologie zusammen, für die kein einheitlicher, gesicherter Gentest existiert. Diese Unschärfe ist wichtig, bevor man von einer Diagnose spricht.
Warum Fett die Stärke ersetzt
Der zentrale Fütterungsgedanke folgt direkt aus dem Stoffwechsel: Wird weniger Stärke und Zucker gefüttert, gelangt weniger Glucose in die Muskelzelle, und der Insulinreiz sinkt. Fett liefert stattdessen freie Fettsäuren als alternativen Energieträger für die aerobe Arbeit. In kontrollierten Fütterungsarbeiten bei PSSM-Pferden normalisierte eine stärkearme, fettbetonte Ration die Muskelenzymwerte nach Belastung deutlich gegenüber einer stärkereichen Ration.
Genauso entscheidend wie die Ration ist die Bewegung. Regelmäßige, tägliche Arbeit verbessert die Substratverwertung im Muskel — schon kurze, konsequente Einheiten gelten als wirksamer Baustein. Lange Boxenruhe wirkt dagegen kontraproduktiv. Ration und Bewegung sind hier kein Entweder-oder, sondern greifen ineinander.
Leinsamen als fettreiche, stärkearme Quelle
Soll Energie über Fett statt über Getreidestärke kommen, sind fettreiche und zugleich stärkearme Komponenten gefragt. Leinsamen (geschrotet oder als Öl) liefert genau dieses Profil und verschiebt nebenbei das Fettsäureverhältnis Richtung Omega-3. Die Umstellung gehört einschleichend aufgebaut und in eine durchgerechnete Gesamtration eingebettet — eine Fettquelle allein ersetzt keine Rationsplanung.
Vitamin E flankiert das Konzept antioxidativ. Belastete Muskelzellen sind oxidativem Stress ausgesetzt, und Vitamin E ist das wichtigste fettlösliche Antioxidans der Zellmembran. Eine ausreichende Versorgung wird im Muskelmanagement regelmäßig mitbedacht, gerade bei Pferden ohne Weidegang. Das ist ernährungsphysiologische Flankierung über ein Ergänzungsfuttermittel, kein Eingriff in die genetische Ursache.
“Bei diesen Pferden ändert sich nicht die Menge der Energie, sondern ihre Quelle. Weg von der Stärke, hin zum Fett — und immer in Bewegung.”
Wichtig zur Einordnung: PSSM ist eine tierärztliche Diagnose. PSSM1 lässt sich über einen GYS1-Gentest sichern, PSSM2 bleibt diagnostisch unscharf und stützt sich auf Klinik und gegebenenfalls Muskelbiopsie. Die hier beschriebene stärkearme, fettbetonte Ration plus Bewegung ist Management über die Fütterung — sie ersetzt weder die Diagnostik noch die tierärztliche Begleitung eines akuten Kreuzverschlags.
Die belastbarste Nachricht ist zugleich die nüchternste: Ein erheblicher Teil betroffener Pferde profitiert spürbar, wenn Ration und Bewegung konsequent zusammenkommen. Der Hebel liegt nicht in einem einzelnen Pulver, sondern in einer durchgehaltenen Linie — stärkearm, fettbetont, täglich bewegt.
Quellen
Wirkstoffe im Artikel
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
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