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Ernährung5. Februar 2026 · 7 Min

Warum fast jede Heuration ein Mineralfutter braucht

Raufutter deckt Energie und Eiweiß grob — aber Kupfer, Zink, Selen und oft Natrium liegen je nach Boden im Defizit. Was ein ausgewogenes Mineralfutter leistet und warum mehr nicht mehr hilft.

LF

Dr. Lena Fischer

Ernährungsberaterin · NRC / GfE

Mineralfutter-Schale am Trog

Eine Ration aus Heu und Weide deckt den Energie- und Eiweißbedarf eines erwachsenen Pferdes in Erhaltung erstaunlich verlässlich — daran scheitert es selten. Die Lücke liegt woanders: bei den Spurenelementen. Kupfer, Zink und Selen erreichen über reines Raufutter regelmäßig nicht die empfohlene Versorgung, und das hat einen einfachen Grund: Ihr Gehalt im Gras hängt am Boden, auf dem es wächst.

Warum der Boden die Versorgung bestimmt

Mitteleuropäische Böden sind über weite Regionen selenarm — das ist gut dokumentiert und überträgt sich direkt auf den Selengehalt des Aufwuchses. Auch Kupfer und Zink schwanken stark mit Bodentyp, pH-Wert und Düngung. Eine Heuanalyse macht diese Lücken sichtbar; ohne sie bewegt man sich im Blindflug. Die Folge: Zwei Pferde mit identischer Heumenge können je nach Herkunft des Futters sehr unterschiedlich versorgt sein.

Selen · selenarme Böden
oft < 0,1
mg / kg Heu-Trockenmasse · Bedarf erwachsenes Pferd ~1 mg / Tag (GfE)

Genau diese Lücke schließt ein Mineralfutter. Es liefert keine nennenswerte Energie und kaum Eiweiß — seine Aufgabe ist es, die Mengen- und Spurenelemente sowie fettlösliche Vitamine zu ergänzen, die das Raufutter nicht in ausreichender Menge mitbringt. Damit ist es ein Ergänzungsfuttermittel im Sinne der Futtermittelverordnung, kein Allein- und kein Diätfutter — und schon gar kein Arzneimittel.

Natrium: die stille Ausnahme

Während die meisten Mengenelemente über Raufutter grob gedeckt sind, bildet Natrium eine Ausnahme: Gras und Heu sind von Natur aus natriumarm. Den Bedarf decken Pferde klassisch über einen frei verfügbaren Salzleckstein oder zugesetztes Natriumchlorid — besonders relevant bei Pferden, die schwitzen. Ein gutes Grundmineralfutter berücksichtigt Natrium, ersetzt den freien Zugang zu Salz aber nicht zwingend.

Heu sättigt und liefert Energie. Ob das Pferd ausreichend mit Spurenelementen versorgt ist, verrät es nicht — das verrät nur die Analyse.
Aus der Rationsberatung

Warum viel hilft viel hier falsch ist

Die naheliegende Versuchung — im Zweifel großzügig dosieren — geht bei Spurenelementen nach hinten los. Erstens stehen sie in Antagonismen zueinander: Ein Überschuss an Zink oder Eisen kann die Kupferaufnahme behindern, weshalb das Verhältnis zählt, nicht nur die Menge. Verbreitet wird ein Kupfer-zu-Zink-Verhältnis in der Größenordnung von etwa 1 zu 3 bis 1 zu 4 angestrebt. Zweitens hat Selen ein enges Fenster zwischen Bedarf und Zuviel.

Sicherheitshinweis: Selen ist das Spurenelement mit der geringsten Sicherheitsspanne. Eine chronische Überversorgung (Selenose) zeigt sich unter anderem an Haarverlust an Mähne und Schweif sowie an Hufveränderungen. Mineralfutter, Krippenfutter und etwaige Selen-Zusätze gehören in der Summe betrachtet — und im Zweifel über eine Blutspiegel-Kontrolle in tierärztliche Hand. Mehr ist hier nicht besser.

Der vernünftige Weg ist deshalb nicht das stärkste, sondern das passende Mineralfutter: eines, das die analysierten Lücken der konkreten Ration schließt, die Spurenelemente in ausgewogenem Verhältnis liefert und die Selen-Obergrenze respektiert. Wer Heu und Mineralfutter aufeinander abstimmt, versorgt sicherer als wer auf Verdacht aufdosiert.

Quellen

GfE 2014GfE — Empfehlungen zur Energie- und Nährstoffversorgung von Pferden
NRC 2007NRC — Nutrient Requirements of Horses (Spurenelemente, Selen-Toleranz)
VO (EG) 767/2009EU-Futtermittelverordnung — Ergänzungsfuttermittel, Höchstgehalte Selen

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

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