Mauke verstehen — warum das Fesselekzem viele Ursachen hat
Nässe und Schlamm, Bakterien, Milben und ein behangbedingtes Feuchtmilieu: Mauke ist selten ein einzelnes Problem. Warum das Trockenhalten der Fessel im Zentrum steht und behangstarke Rassen häufiger betroffen sind.
Dr. med. vet. Elena Haas
Tierärztin · Sportmedizin
Mauke — fachlich als equines Fesselekzem oder Pastern Dermatitis bezeichnet — ist keine eigenständige Krankheit mit einer einzigen Ursache, sondern ein Reaktionsmuster der Haut in der Fesselbeuge. Genau das macht sie so hartnäckig: Hinter dem gleichen Bild aus Rötung, Schuppen, Krusten und nässenden Stellen können ganz unterschiedliche Auslöser stecken, die sich oft gegenseitig verstärken.
Ein multifaktorielles Geschehen
Am Anfang steht meist eine geschädigte Hautbarriere. Dauerhafte Nässe und Schlamm weichen die Haut auf, kleine Risse entstehen, und über diese Eintrittspforten siedeln sich Erreger an — häufig das Bakterium Dermatophilus congolensis, dazu Staphylokokken, manchmal Pilze. In anderen Fällen sind Chorioptes-Räudemilben die treibende Kraft: Sie reizen die Haut der Fesselbeuge und bahnen so erst den Weg für die bakterielle Besiedlung. Auch Kontaktreize und in der Folge Lichtempfindlichkeit unpigmentierter Haut spielen mit hinein. Diese Mehrursächlichkeit erklärt, warum ein einzelnes Mittel selten reicht.
Der gemeinsame Nenner fast aller Auslöser ist Feuchtigkeit. Eine dauerhaft nasse Fesselbeuge ist der ideale Nährboden — für aufgeweichte Haut ebenso wie für Bakterien und Milben. Deshalb dreht sich das Management im Kern um eine einzige Größe: die Fessel trocken halten.
Warum behangstarke Rassen häufiger betroffen sind
Auffällig ist die Häufung bei Rassen mit üppigem Kötenbehang wie Irish Cob (Tinker) und Friese. Der dichte Behang hält Nässe und Schmutz direkt an der Haut fest und schafft ein dauerfeuchtes, schlecht abtrocknendes Mikroklima — ein Milieu, in dem sich Erreger und Milben besonders wohlfühlen. Bei einigen behangstarken Linien kommt eine Veranlagung zu chronischer Lymphschwellung der Unterschenkel hinzu, die das Problem weiter verschärft. Vorsichtiges Kürzen des Behangs zum Abtrocknen und konsequente Hygiene sind hier zentrale Stellschrauben.
Praktisch heißt Management: matschige Passagen und Dauernässe meiden, die Fessel nach Belastung sauber und vor allem vollständig abtrocknen lassen, nicht ständig nass waschen, und die Haut nicht durch aggressives Schrubben weiter schädigen. Trockene Liege- und Stehflächen sind oft wirksamer als jedes Mittel auf der bereits gereizten Haut.
“Mauke ist selten eine Frage des richtigen Topfes auf der Haut. Sie ist fast immer eine Frage, ob die Fessel je richtig abtrocknet.”
Auf der Fütterungsebene rücken zwei Spurenelemente des Hautstoffwechsels in den Blick. Zink ist Cofaktor zahlreicher Enzyme der Hautregeneration und der Keratinbildung — der Strukturproteine von Hornhaut und Hautbarriere. Kupfer wirkt im Bindegewebs- und Keratinstoffwechsel eng mit Zink zusammen, weshalb beide stets im Verhältnis zueinander betrachtet werden. Eine ausgewogene Versorgung ist ein ernährungsphysiologischer Baustein einer widerstandsfähigen Hautbarriere — kein Mauke-Mittel und kein Ersatz für trockene Haltung. Ob die Gesamtration hier eine echte Lücke zeigt, klärt die Rationsbeurteilung, nicht die Hautstelle.
Einordnung: Tiefe, schmerzhafte, stark nässende oder chronisch wiederkehrende Formen sowie der Verdacht auf eine Milbenbeteiligung gehören tierärztlich abgeklärt — auch zur gezielten Erregerbestimmung. Dieser Artikel beschreibt das Krankheitsbild und das Hygiene- und Haltungsmanagement; er stellt keine Diagnose, gibt keine Therapieanweisung und kein Heilversprechen.
Quellen
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
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