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Gesundheit20. Februar 2026 · 6 Min

Hufabszess — warum eine winzige Eitertasche das Pferd lahm wie nach einem Bruch macht

Der Hufabszess ist die häufigste Ursache plötzlicher, hochgradiger Lahmheit — und zugleich eine der heilbarsten. Warum eine kleine Eitertasche unter Sohle oder Horn solche Schmerzen verursacht, woran man sie erkennt und weshalb der Druck heraus muss.

EH

Dr. med. vet. Elena Haas

Tierärztin · Sportmedizin

Vorderhuf eines Pferdes wird zur Untersuchung angehoben

Wenn ein Pferd von einem Moment auf den anderen kaum noch auffußen kann, ist die erste Sorge oft ein Bruch oder eine schwere Verletzung. In sehr vielen Fällen steckt jedoch etwas weit weniger Dramatisches dahinter: ein Hufabszess. Er gilt als häufigste Ursache plötzlicher, hochgradiger Lahmheit — und die gute Nachricht vorweg ist, dass die Beschwerden meist rasch nachlassen, sobald der Eiter abfließen kann.

Wie die Eitertasche entsteht

Ein Hufabszess beginnt damit, dass Keime in das Horn eindringen — durch einen feinen Riss in der weißen Linie, durch ein eingetretenes spitzes Objekt, über eine Steingalle oder über aufgeweichtes, mürbes Horn nach langer Feuchtigkeit. Im Inneren des Hufs vermehren sich die Bakterien und es bildet sich Eiter. Das Tückische ist die Umgebung: Die Hufkapsel ist eine harte, kaum nachgiebige Hülle. Während sich draußen am Körper eine Eiterbeule einfach nach außen wölben kann, hat der Druck im Huf fast keinen Platz. Schon kleine Mengen Eiter erzeugen deshalb einen rasch ansteigenden Druck im starren Hornschuh — und genau dieser Druck verursacht den heftigen Schmerz.

Lahmheit · Schweregrad
akut hochgradig
von klamm bis nicht fußend, oft innerhalb von Stunden · der Abszess ist die häufigste Ursache plötzlicher schwerer Lahmheit an einem Bein

Leitzeichen — der heiße Huf mit Pulsation

Typisch ist eine plötzlich einsetzende Lahmheit an einem einzelnen Bein, die von klamm bis zur völligen Entlastung reichen kann — manche Pferde setzen den Fuß gar nicht mehr auf. Untersucht man den betroffenen Huf, fühlt er sich oft wärmer an als der gegenüberliegende, und an der Fessel ist häufig eine verstärkte Pulsation der Hufarterien zu tasten, das sogenannte Pulsieren. Druck auf eine bestimmte Stelle der Sohle löst eine deutliche Schmerzreaktion aus. Weil die Lahmheit so dramatisch sein kann, wirkt das Bild zunächst alarmierend — der Befund ist dennoch in aller Regel gut beherrschbar, sobald die Ursache lokalisiert ist.

Kaum etwas in der Hufpraxis ist so eindrucksvoll wie ein Pferd, das morgens nicht mehr auftreten will und am Abend nach dem Öffnen des Abszesses fast normal läuft. Der Schmerz sitzt nicht im Knochen, sondern im Druck.
Aus der orthopädischen Bestandsbetreuung

Warum der Druck heraus muss

Solange der Eiter in der starren Hufkapsel eingeschlossen bleibt, hält der schmerzhafte Druck an und der Prozess kann sich sogar weiter unter die Sohle, unter den Strahl oder an der Hufwand nach oben ausbreiten. Der entscheidende Schritt ist deshalb, dem Eiter einen Weg nach außen zu schaffen, damit der Druck entweicht. Das Aufsuchen und Eröffnen der richtigen Stelle ist allerdings Präzisionsarbeit: Wird zu viel oder an falscher Stelle Horn weggenommen, kann mehr Schaden als Nutzen entstehen. Diese Lokalisation und Eröffnung gehört darum in fachkundige Hände — von Hufschmied oder Tierärztin beziehungsweise Tierarzt —, die gemeinsam mit anschließender Versorgung und Sauberhaltung des Hufs den Heilungsverlauf begleiten.

Vorbeugen: trocken halten und Hufpflege

Vieles spielt der Entstehung in die Hände, das sich beeinflussen lässt. Dauerhaft nasse, matschige Böden weichen das Horn auf und machen es durchlässig für Keime — eine trockene, saubere Liegefläche und gepflegte Ausläufe sind daher ein wirksamer Schutz. Regelmäßiges Auskratzen und Kontrollieren der Hufe, fachgerechte und termingerechte Hufbearbeitung sowie das zeitnahe Versorgen kleiner Hornverletzungen halten die Schutzbarriere des Hufs intakt. Welche Haltung und welcher Bearbeitungsrhythmus für ein einzelnes Pferd passen, ergibt sich aus seinen Hufen und seiner Umgebung.

Einordnung: Eine plötzlich auftretende, hochgradige Lahmheit an einem Bein gehört tierärztlich abgeklärt — auch, um schwerwiegendere Ursachen wie Frakturen oder eine Hufrehe auszuschließen. Das Lokalisieren und Eröffnen eines Abszesses gehört in fachkundige Hand. Dieser Artikel erklärt das Krankheitsbild und die Vorbeugung; er stellt keine Diagnose, gibt keine Behandlungsanweisung und kein Heilversprechen.

Quellen

MSD Vet ManualMSD / Merck Veterinary Manual (Equine) — Hoof abscesses in horses (häufigste Ursache akuter schwerer Lahmheit, Druck in der Hufkapsel, Pulsation)
Open.lib.umnLarge Animal Surgery (University of Minnesota) — Subsolar (hoof) abscesses (Pathogenese, subsolare/submurale Ausbreitung)
AAEPAAEP — Lameness and the foot / hoof abscess (Erkennung, Eröffnung, Hufpflege)

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

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