Fohlenwachstum und Mineralstoffe — gleichmäßig schlägt schnell
Kupfer, Zink und ein ausgewogenes Calcium-Phosphor-Verhältnis begleiten die Skelettentwicklung des Jungpferds. Warum nicht das schnellste, sondern das gleichmäßige Wachstum der Schlüssel ist.
Dr. Lena Fischer
Ernährungsberaterin · NRC / GfE
In den ersten Lebensmonaten und im ersten Jahr legt das Pferd den Großteil seiner Skelettentwicklung an. Das macht diese Phase ernährungssensibel wie keine zweite — und es macht einen verbreiteten Reflex problematisch: möglichst zügig einen großen, kräftigen Jungspund heranzuziehen. Für ein belastbares Fundament zählt nicht das Tempo, sondern die Gleichmäßigkeit des Wachstums.
Warum abruptes Wachstum ein Risiko ist
Knochen und Knorpel reifen in einer geordneten Abfolge. Ein Energieüberschuss in der Ration — etwa durch reichlich Krippenfutter — kann Wachstumsschübe auslösen, die diese Reifung überholen. In der Fachliteratur werden ein Übermaß an Energie und abrupte Wachstumssprünge als Faktoren im Umfeld der Entwicklungsstörungen des Skeletts (Developmental Orthopaedic Disease, DOD, zu der auch die Osteochondrose zählt) diskutiert. Das ist ein editorial einzuordnender Zusammenhang aus der Forschung, kein Mechanismus, den ein Futter steuern oder eine Störung heilen könnte.
Kupfer ist Cofaktor der Lysyloxidase, eines Enzyms, das die Quervernetzung von Kollagen und Elastin im Bindegewebe katalysiert — also unmittelbar an der Stabilität von Knorpel und Knochenmatrix beteiligt ist. In einer kontrollierten Arbeit von Knight und Kollegen (Equine Veterinary Journal 1990) wiesen Fohlen kupferarm gefütterter Gruppen deutlich mehr Knorpel- und Gelenkbefunde auf als kupferergänzte Tiere. Zink wirkt in der Keratinisierung und als Cofaktor zahlreicher Enzyme flankierend mit. Beide Spurenelemente verdienen in der Aufzucht besondere Aufmerksamkeit.
Das Calcium-Phosphor-Verhältnis
Beim wachsenden Pferd kommt es nicht nur auf die absoluten Mengen an Calcium und Phosphor an, sondern auf ihr Verhältnis zueinander. Ein Bereich von etwa 1,5 bis 2 Teilen Calcium auf 1 Teil Phosphor gilt als Orientierung; ein Phosphorüberschuss — etwa durch viel Getreide bei knappem Raufutter — kann die Calciumverwertung stören. Gerade in der Wachstumsphase ist diese Balance kein Detail, sondern Grundlage der Knochenmineralisierung.
“Ein Fohlen muss nicht schnell groß werden. Es muss gleichmäßig groß werden — der Knochen verzeiht Tempo schlechter als Geduld.”
Die Versorgung des Fohlens beginnt zudem vor der Geburt: Der Kupferstatus der tragenden Stute prägt die Leberspeicher des Neugeborenen mit, das selbst über die Milch nur begrenzt Kupfer erhält. Eine bedarfsgerechte Versorgung der Zuchtstute im letzten Trächtigkeitsdrittel ist damit Teil der Fohlenversorgung — nicht erst die Beifütterung des abgesetzten Jungpferds.
Wichtig zur Einordnung: Entwicklungsstörungen des Skeletts und Osteochondrose sind tierärztliche Diagnosen mit mehreren Einflussfaktoren — Genetik, Belastung und Fütterung zusammen. Mineralfutter und ausgewogene Aufzuchtration sind Versorgung und Prävention über Ergänzungsfuttermittel, kein Heil- oder Schutzversprechen. Die konkrete Wachstums- und Rationsplanung — inklusive Energiedosierung und Spurenelement-Mengen — gehört in qualifizierte Fütterungs- und tierärztliche Beratung.
Die belastbarste Strategie ist deshalb unspektakulär: viel strukturreiches Raufutter, ein auf die Aufzucht abgestimmtes Mineralfutter mit ausreichend Kupfer und Zink, ein im Blick behaltenes Calcium-Phosphor-Verhältnis — und die Bereitschaft, Energie eher zu drosseln als zu pushen. Gleichmäßig gewachsene Jungpferde sind das Ziel, nicht die größten.
Quellen
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
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