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Gesundheit12. Juni 2026 · 8 Min

Equines Asthma — warum der Stall wichtiger ist als jedes Pulver

Staub, Schimmelsporen und Endotoxine im Raufutter sind die treibenden Trigger. Das Haltungs- und Heumanagement ist der zentrale Hebel beim Krankheitsbild der Atemwege.

EH

Dr. med. vet. Elena Haas

Tierärztin · Sportmedizin

Offenstall mit gedämpftem Heu

Equines Asthma fasst chronische, nicht-infektiöse Atemwegserkrankungen zusammen, die früher als IAD (mild bis moderat) und RAO/Dämpfigkeit (schwer) unterschieden wurden. Das ACVIM-Konsensus-Statement bildet beide als Spektrum einer Erkrankung ab — von leichter Leistungsminderung bis zu sichtbarer Atemnot in Ruhe.

Der Trigger sitzt in der Luft

Treibend sind eingeatmete Reizstoffe und Allergene: Staub, Schimmelpilzsporen, Beta-Glukane und Endotoxine aus Heu, Stroh und Einstreu. Die Atemwege reagieren mit Entzündung, vermehrtem Schleim und einer Verengung der Bronchien. Das erklärt die Leitsymptome — Husten, verlängerte Ausatmung, bei schwerer Ausprägung die typische Bauchpresse.

Atemzone · Heu aus dem Netz
~4-fach
höhere Belastung mit lungengängigem Staub gegenüber Fütterung vom Boden

Warum das Management den Unterschied macht

Bei kaum einem anderen Krankheitsbild ist der Hebel so deutlich auf der Haltungsseite. Bedampftes Heu reduziert die Staubbelastung erheblich; staubarme Einstreu wie Späne oder Karton, eine gute Stallbelüftung und der Verzicht auf das Heunetz zugunsten der Bodenfütterung senken die Allergenlast spürbar. Studien zeigen, dass die Bereitschaft der Halterinnen und Halter, diese Umgebungsmaßnahmen konsequent umzusetzen, der entscheidende Faktor für den Verlauf ist.

Man kann ein Atemwegspferd nicht freihusten lassen und gleichzeitig im staubigen Stall stehen lassen. Die Umgebung ist die Therapie, mit der alles steht und fällt.
Aus der internistischen Bestandsbetreuung

Die Raufutterqualität ist dabei die Wurzel: hygienisch einwandfreies, schimmelfreies Heu ist Grundvoraussetzung. Wo das nicht sicher ist, helfen Bedampfung oder alternative Raufutterformen, die Sporenlast zu senken. Das Stallklima — Feuchtigkeit, Luftwechsel, Ammoniak — entscheidet über den Reizpegel mit, dem die Atemwege täglich ausgesetzt sind.

Aus der Phytotherapie werden Pflanzen wie Spitzwegerich und Thymian traditionell mit den Atemwegen in Verbindung gebracht — Spitzwegerich enthält reizlindernde Schleimstoffe, Thymian ätherische Öle. Solche Bausteine sind allenfalls flankierend einzuordnen; sie ersetzen weder die Haltungsoptimierung noch eine tierärztlich gesteuerte Behandlung und sind kein Heilversprechen.

Einordnung: Husten und Atemnot gehören tierärztlich abgeklärt, auch zur Abgrenzung von Infektionen. Der wirksamste und sicherste erste Schritt liegt aber fast immer in der Umgebung: Staub raus, Belüftung rein, Raufutterqualität sichern.

Quellen

Couetil et al. 2016ACVIM Consensus Statement — Inflammatory Airway Disease / Equine Asthma
PMC10854533Environmental Management of Equine Asthma (Review)
Couetil et al. 2007ACVIM Consensus — Inflammatory Airway Disease of Horses

Wirkstoffe im Artikel

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

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