Equine Influenza — warum Impfung und Biosecurity zusammen den Bestand schützen
Die Pferdegrippe ist ein hochansteckendes Atemwegsvirus, das sich in Gruppen rasend schnell ausbreitet. Warum hohe Durchimpfung den Herdenschutz trägt, Turnier- und LPO-Regeln eine Impfpflicht vorsehen — und weshalb das Impfschema und seine Auffrischungen in tierärztliche Hand gehören.
Dr. med. vet. Elena Haas
Tierärztin · Bestandsmedizin
Die Equine Influenza, umgangssprachlich Pferdegrippe, ist eine der ansteckendsten Atemwegserkrankungen des Pferdes. Sie wird durch ein Influenzavirus ausgelöst und breitet sich über Husten in feinsten Tröpfchen sowie über kontaminierte Hände, Kleidung und Ausrüstung extrem schnell aus. Wo viele Pferde zusammenkommen — Turniere, Transporte, große Ställe —, kann ein einziges infiziertes Tier eine ganze Gruppe anstecken, bevor die Erkrankung überhaupt auffällt.
Leitzeichen — Fieber und trockener Husten
Klassisch ist ein plötzlicher, hoher Fieberanstieg, begleitet von einem trockenen, harten, oft anfallsartigen Husten und wässrigem bis später zähem Nasenausfluss. Dazu kommen Mattigkeit, Fressunlust und teils geschwollene Lymphknoten. Anders als bei manch anderem Atemwegsinfekt steht der trockene Husten früh im Vordergrund. Die Erkrankung ist für gesunde erwachsene Pferde meist gut überstehbar, kann aber bei Fohlen, alten oder geschwächten Tieren schwerer verlaufen, und vor allem zieht ein gereiztes Atemwegssystem eine lange Erholungsphase nach sich, in der Belastung schadet.
Warum Impfung über die Herde schützt
Impfung wirkt bei einem so ansteckenden Erreger nicht nur für das einzelne Pferd, sondern für den ganzen Bestand. Ist ein hoher Anteil der Pferde geschützt, findet das Virus weniger empfängliche Tiere, die Ausbreitung verlangsamt sich und Ausbrüche fallen milder aus — das Prinzip der Herdenimmunität. Geimpfte Pferde erkranken seltener schwer und scheiden in der Regel weniger Virus aus, was wiederum die übrigen Tiere schützt. Genau deshalb knüpfen viele Turnierregelwerke und die LPO eine gültige Influenza-Impfung an die Teilnahme: Wo viele Pferde aus verschiedenen Beständen aufeinandertreffen, ist ein hoher Impfschutz die gemeinsame Versicherung aller Beteiligten.
“Bei der Pferdegrippe schützt man mit jeder Impfung nicht nur das eigene Pferd, sondern den Nachbarn in der Box und das fremde Pferd auf dem Turnierplatz. Ein gut durchgeimpfter Bestand ist die beste Mauer gegen den nächsten Ausbruch.”
Wie das Impfschema im Prinzip aufgebaut ist
Ein belastbarer Schutz entsteht nicht mit einer einzelnen Spritze. Das Prinzip gängiger Schemata sieht zunächst eine Grundimmunisierung aus mehreren Impfungen in definierten Abständen vor, die das Immunsystem schrittweise aufbaut, gefolgt von regelmäßigen Auffrischungen, weil der Schutz mit der Zeit nachlässt und sich die zirkulierenden Virusstämme verändern. Für Pferde mit häufigem Kontakt zu fremden Tieren — etwa im Turniersport — werden engere Auffrischungsintervalle empfohlen als für Pferde im geschlossenen Bestand. Welcher Impfstoff, welches Schema und welche Intervalle für ein einzelnes Pferd gelten, richtet sich nach seinem Lebensumfeld, den geltenden Turnierregeln und tierärztlicher Empfehlung — die Festlegung und Durchführung gehört in tierärztliche Hand.
Impfung und Biosecurity gehören zusammen
So wichtig die Impfung ist, sie ersetzt die Hygiene nicht. Den vollständigen Schutz tragen beide Säulen gemeinsam: Neuzugänge und von Turnieren zurückkehrende Pferde werden beobachtet und im Verdachtsfall abgesondert, Fieber wird gemessen, Eimer und Putzzeug bleiben pferdebezogen, Hände werden zwischen den Tieren desinfiziert. Wer hustende oder fiebernde Pferde früh isoliert und nicht mit gesunden zusammenbringt, unterbricht die Infektkette dort, wo die Impfung allein an ihre Grenzen kommt. Impfung und Biosecurity sind keine Alternativen, sondern zwei Hälften desselben Schutzkonzepts.
Einordnung: Fieber mit trockenem Husten und Nasenausfluss gehört tierärztlich abgeklärt — auch zur Abgrenzung von anderen Atemwegserkrankungen. Über Impfstoff, Impfschema und Auffrischungsintervalle entscheidet ausschließlich die behandelnde Tierärztin oder der Tierarzt unter Beachtung der jeweils geltenden Turnier- und LPO-Vorgaben. Dieser Artikel erklärt das Krankheitsbild und das Prinzip des Schutzes; er bewirbt kein Produkt, gibt keine Dosierungsanweisung und kein Heilversprechen.
Quellen
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
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