EMS und Hufrehe-Prävention — der Hebel liegt in der Ration
Insulindysregulation, Zucker und Stärke der Ration, Weide-Management: warum gerade leichtfuttrige Rassen von einer klaren Fütterungslinie profitieren.
Equiterna Redaktion
Fütterung · nach NRC und GfE
Das Equine Metabolische Syndrom (EMS) bündelt mehrere Risikofaktoren, deren wichtigster die Insulindysregulation ist — und diese ist der zentrale Risikofaktor für die endokrinopathische Hufrehe. Das ECEIM-Konsensuspapier von 2019 stellt klar: Kontrolliert wird EMS in erster Linie über Fütterung und Bewegung. Die Ration ist damit kein Nebenschauplatz, sondern der eigentliche Hebel.
NSC: Zucker und Stärke der Ration
Entscheidend ist der Gehalt an nicht-strukturierten Kohlenhydraten (NSC) — die Summe aus Zucker und Stärke. Sie treiben die Insulinantwort. Für Pferde mit Insulindysregulation wird verbreitet eine Ration mit niedrigem NSC-Anteil angestrebt; in der Praxis dient ein Orientierungswert von unter etwa 10 bis 12 Prozent NSC in der Trockenmasse als Richtschnur. Heu lässt sich durch Analyse einordnen und bei Bedarf wässern, um lösliche Zucker zu reduzieren.
Betroffen sind überproportional leichtfuttrige Robustrassen — Welsh Pony, Shetlandpony und Haflinger etwa kommen aus kargen Herkünften und setzen auf nährstoffreicher Mitteleuropa-Weide leicht Reserven an. Das ist keine Schwäche der Rasse, sondern ein Erbe ihrer Anpassung. Genau deshalb verlangen sie ein engeres Weide- und Rationsmanagement als ein leistungsorientierter Warmblüter im selben Stall.
Weide-Management und Körperkondition
Frisches Weidegras schwankt stark im Zuckergehalt — sonnige, kühle Tage und gestresste, kurz abgefressene Bestände können besonders zuckerreich sein. Begrenzte Weidezeiten, Fressbremsen oder ein abgesteckter Trail sind Werkzeuge, um die Aufnahme zu steuern. Parallel ist die Körperkondition der verlässlichste Alltagsindikator: Ein Body Condition Score im Idealbereich und ein Blick auf regionale Fettdepots, etwa den Mähnenkamm, zeigen Veränderungen früh.
“Bei diesen Pferden ist weniger fast immer mehr. Die Kunst ist nicht das Zufüttern, sondern das maßvolle Weglassen.”
Wo Wirkstoffe ins Spiel kommen, lohnt Ehrlichkeit. Magnesium taucht in diesem Kontext häufig auf — eine pauschale Wirkung auf die Insulinregulation ist beim ausreichend versorgten Pferd jedoch nicht belegt. Sinnvoll ist Magnesium, wenn eine tatsächliche Unterversorgung vorliegt; als Stoffwechsel-Allheilmittel taugt es nicht. Mariendistel wird traditionell zur Begleitung des Leberstoffwechsels eingesetzt — auch das ist eine ernährungsseitige Flankierung über ein Ergänzungsfuttermittel, kein Eingriff in die Insulindysregulation selbst.
Wichtig zur Einordnung: EMS und Hufrehe sind tierärztliche Diagnosen. Die hier beschriebenen Fütterungsstrategien sind Prävention und Management über die Ration — sie ersetzen weder die Diagnostik (etwa einen oralen Zuckertest) noch die Behandlung eines akuten Rehe-Geschehens. Bei Verdacht auf Hufrehe zählt jede Stunde: sofort tierärztlich abklären lassen.
Die gute Nachricht: Bei kaum einem anderen Thema ist der Fütterungshebel so direkt. Eine NSC-arme, raufutterbetonte Ration, gesteuerter Weidegang und eine Körperkondition im Idealbereich sind die belastbarsten Bausteine der Reheprävention — und sie liegen vollständig in der Hand des Stalls.
Quellen
Wirkstoffe im Artikel
Hinweis zur Verwendung
Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.
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