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Gesundheit17. März 2026 · 8 Min

Druse — warum Fiebermessen und Quarantäne die Ausbreitung stoppen

Druse ist eine hochansteckende bakterielle Atemwegserkrankung mit Lymphknotenabszessen. Der wirksamste Schutz im Stall ist keine Behandlung, sondern konsequente Biosecurity: neue Pferde absondern, täglich Fieber messen, Hygiene halten — und das Carrier-Problem im Luftsack ernst nehmen.

EH

Dr. med. vet. Elena Haas

Tierärztin · Bestandsmedizin

Neuzugang in einer abgetrennten Quarantänebox

Druse — englisch Strangles — wird durch das Bakterium Streptococcus equi subspecies equi ausgelöst und gehört zu den ansteckendsten Erkrankungen des Pferdes überhaupt. Sie befällt die oberen Atemwege und die zugehörigen Lymphknoten und breitet sich in Beständen rasch aus, wenn sie nicht früh erkannt und konsequent eingedämmt wird. Genau deshalb ist Druse weniger eine Frage der Behandlung des Einzeltiers als eine Frage des Bestandsmanagements.

Wie die Ansteckung läuft

Der Erreger verbreitet sich über infektiösen Nasenausfluss und über den Eiter aufgebrochener Abszesse — direkt von Pferd zu Pferd, vor allem aber indirekt über kontaminierte Hände, Kleidung, Putzzeug, Tränken, Eimer, Halfter und gemeinsam genutzte Stallflächen. Ein einziger geteilter Wassertrog oder ein nicht gewechseltes Putzzeug kann eine ganze Gruppe anstecken. Entscheidend für die Bekämpfung ist eine zeitliche Eigenheit: Die Ausscheidung des Erregers beginnt in der Regel erst ein bis zwei Tage nach dem Fieberanstieg. Wer also täglich Fieber misst, kann ein frisch infiziertes Pferd absondern, bevor es ansteckend wird — ein zentraler Hebel der Kontrolle.

Leitzeichen — Fieber zuerst

Das früheste und verlässlichste Zeichen ist Fieber, das dem Rest oft um ein bis zwei Tage vorausgeht. Es folgen Mattigkeit, Fressunlust, eitriger Nasenausfluss und die namensgebenden geschwollenen, schmerzhaften Lymphknoten im Kehlgang und zwischen den Ganaschen, die aufbrechen und Eiter entleeren können. Manche Pferde halten den Hals gestreckt und schlucken erschwert. Der Verlauf reicht von milden bis zu schweren Formen; gefürchtet ist die Streuung in entferntere Lymphknoten.

Frühwarnung · Fieber vor Ausscheidung
1–2 Tage
die Erregerausscheidung beginnt meist erst ein bis zwei Tage nach Fieberbeginn — das Zeitfenster, in dem tägliches Fiebermessen Übertragung verhindern kann

Biosecurity: absondern, messen, trennen

Drei einfache Prinzipien tragen den Schutz. Erstens: Jedes neu ankommende Pferd wird vor dem Kontakt mit dem Bestand für einen Zeitraum von mehreren Wochen abgesondert und in dieser Zeit beobachtet — Neuzugänge sind die häufigste Eintrittspforte. Konsensus-Empfehlungen nennen für die Isolation neuer Pferde eine Größenordnung von rund drei Wochen. Zweitens: tägliches Fiebermessen, sowohl bei Neuzugängen als auch in einem betroffenen Bestand, um neue Fälle vor der Ausscheidung zu erkennen. Drittens: strikte Hygiene und Trennung der Pflege — eigene Eimer, eigenes Putzzeug, Händedesinfektion und Schutzkleidung für die isolierte Gruppe sowie ein durchdachter Arbeitsablauf von gesund zu verdächtig, nie umgekehrt.

Druse stoppt man nicht am kranken Pferd, sondern am Stalltor und am Fieberthermometer. Der Neuzugang, den man drei Wochen absondert und täglich misst, ist die billigste Versicherung im ganzen Betrieb.
Aus der Bestandsbetreuung

Das stille Carrier-Problem im Luftsack

Ein Teil der Pferde wird nach scheinbar überstandener Erkrankung nicht vollständig erregerfrei: In den Luftsäcken — luftgefüllten Aussackungen der Ohrtrompete — kann sich eingedickter Eiter zu festen Konkrementen verhärten und den Erreger über Monate bis Jahre beherbergen. Solche klinisch gesunden Dauerausscheider können den Erreger immer wieder ausscheiden und neue Ausbrüche auslösen, ohne selbst krank zu wirken. Sie sind der Grund, warum ein Ausbruch auch nach dem Abklingen der Symptome nicht automatisch beendet ist. Das Aufspüren solcher Carrier — etwa über Luftsack-Endoskopie und Erregernachweis — gehört in tierärztliche Hand und ist Teil eines sauberen Ausbruchsmanagements.

Einordnung: Bei Fieber mit geschwollenen Kehlgangs-Lymphknoten oder eitrigem Nasenausfluss ist umgehend die Tierärztin oder der Tierarzt einzubeziehen — auch wegen möglicher Anzeige- oder Meldepflichten je nach Region und wegen des fachgerechten Ausbruchsmanagements. Über den Einsatz von Medikamenten entscheidet ausschließlich die behandelnde Tierärztin oder der Tierarzt; dieser Artikel beschreibt Hygiene und Biosecurity, nicht die Behandlung, und gibt kein Heilversprechen.

Quellen

PMID:29424487Boyle et al., J Vet Intern Med 2018 — Streptococcus equi Infections in Horses: Revised ACVIM Consensus Statement (Strangles)
MSD Vet ManualMSD / Merck Veterinary Manual (Equine) — Strangles in horses (Guttural pouch carriers, biosecurity)

Hinweis zur Verwendung

Diese Inhalte dienen der Information und Bildung. Sie ersetzen keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Bei Krankheitsanzeichen konsultiere eine Tierärztin oder einen Tierarzt.

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